Tschad: Österreicher fühlen sich sicher

Das österreichische Vorkommando kümmert sich um Zivilisten und sichert den Flughafen. Seit dem Wochenende befinden sich die Soldaten in einem Camp der französischen Armee.

(c) APA (DRAGAN TATIC)

Den österreichischen Soldaten im Tschad geht es "sehr gut". Das hat der stellvertretende Kontingentskommandant Helmut Hochegger am Dienstag bei einer Videokonferenz berichtet. Zuletzt hätten sie am Montag gegen 18.00 Uhr Gefechtslärm im Bereich des Flughafens vernommen. Die Soldaten selbst fühlten sich im Camp der Franzosen jedoch sicher, erklärte Hochegger.

Das österreichische Vorkommando ist seit dem Wochenende in ein Camp der französischen Armee nahe des Flughafens in der Hauptstadt N'Djamena verlegt worden. Laut Hochegger haben die österreichischen Soldaten während ihres Aufenthalts im Hotel im Zentrum der Stadt Kämpfe zwischen den Rebellen und der Regierung beobachten können. Trotzdem hätten sie sich "sicher gefühlt", erklärte der stellvertretende Kommandant per Live-Stream. Zwei weitere Soldaten befänden sich in Abeche im Osten des Landes, wo die Lage ruhig sei.

Österreicher sichern Camp und Flughafen

Im Camp selbst sei man "relativ isoliert von den Franzosen", die sich momentan hauptsächlich um die auszufliegenden Zivilisten kümmerten. Die Soldaten aus Frankreich sicherten außerdem das Camp und den Flughafen. Den österreichischen Soldaten kommen derweil keine Aufgaben zu, sie sind quasi Gast in dem Lager. Sollte es aber zu einem Angriff kommen, könne es schon sein, dass die Österreicher zum Einsatz kommen, so Oberstleutnant Klaus Roch vom Generalstab in Graz.

Laut Hochegger sei die vergangene Nacht relativ ruhig gewesen. Die Stimmung unter den Soldaten sei sehr gut, auch wenn das Camp der Franzosen "spartanisch" eingerichtet sei. Hinzu kämen immer mehr Zivilisten, die vor dem Ausfliegen im Zeltlager Unterkunft finden. "Heute früh waren rund 150 Zivilisten beim Frühstück hier", so Hochegger. Das Camp sei für den Ansturm nicht unbedingt gerüstet, daher komme es zu Warteschlangen beim Essen. "Die Franzosen sind ausgelastet mit den Versorgung der Privatpersonen und kümmern sich wenig um die EUFOR," meinte der Kontingentskommandant.

Wollen Rebellen verhandeln oder kämpfen?

Die Aufständischen im Tschad haben sich am Dienstag grundsätzlich zur "sofortigen" Vereinbarung eines Waffenstillstands mit der Regierung in N'Djamena bereiterklärt. Die Allianz sei sich der "Leiden der Bevölkerung bewusst," sagte ein Sprecher der Rebellen. Daher würden sie nun die Friedensinitiative der "Bruderstaaten" Libyen und Burkina Faso unterstützen. Einem Waffenstillstand müsse ein "nationaler Dialog" folgen.

Ebenfalls am Dienstag kündigten diie Rebellen aber auch eine neue Offensive an. Rebellenführer Mahamat Nouri beschuldigte die ehemalige Kolonialmacht Frankreich, Einheiten der Aufständischen angegriffen zu haben.

Massenflucht aus N'Djamena

In der Hauptstadt des Tschad, N’Djamena, ist es am vergangenen Wochenende zu heftigen Kämpfen gekommen. Tausende Menschen überquerten den Chari-Fluss, während in der Stadt laut Augenzeugen eine "schreckliche Lage" herrschte. In einer dramatischen Rettungsaktion brachten französische Soldaten auch zahlreiche westliche Bürger in Sicherheit.

Die USA evakuierten ihre Botschaft in N'Djamena, wie das Außenamt mitteilte. Über die Intensität der Kämpfe der letzten Tage liegen widersprüchliche Angaben vor.

Die Rebellen

Die UFDD (Union des Forces pour la Démocratie) wird von Mahamat Nouri geführt. Er war unter Déby einst Verteidigungsminister.
Die RFC (Rassemblement des Forces pour le changement) ist ein Bündnis aus Dissidenten des Zaghawa-Stammes, dem auch Machthaber Déby angehört. Es wird geleitet von Tom und Timan Erdimi, zwei Neffen Débys.
UFDD Fondamentale. Kleineres Bündnis arabischer Stämme.

(APA/Red.)

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