Ausschreitungen in Südafrika: Militär bereitet sich auf Einsatz vor

In den Elendsvierteln Südafrikas kommt es erneut zu gewalttätigen Übergriffen auf Zuwanderer aus anderen Staaten Afrikas. Präsident Mbeki will Militär einsetzen.

(c) REUTERS (Mike Hutchings)

In Südafrika hat es auch in der Nacht auf Donnerstag wieder Übergriffe auf Zuwanderer aus anderen afrikanischen Ländern gegeben. Bei der Gewaltwelle der vergangenen Tage kamen mindestens 42 Menschen ums Leben, berichten offizielle Stellen.

Knapp 30.000 Menschen wurden vertrieben. Allein in den Vorstädten von Johannesburg mussten 16.000 aus ihren Wohnorten fliehen. Viele der verfolgten Ausländer - allen voran Flüchtlinge aus Simbabwe, Mosambik und Malawi - haben in Notunterkünften, Schulen, Kirchen und Polizeiwachen Schutz gesucht.

Die Gewalt der Südafrikaner in den Elendsvierteln richtet sich vor allem gegen Einwanderer und Flüchtlinge aus anderen Staaten Afrikas. Einheimische werfen ihnen vor, den Südafrikanern Arbeit und Wohnraum wegzunehmen.

Präsident Thabo Mbeki hat inzwischen einem Militäreinsatz zugestimmt, um der Lage Herr zu werden - eine Entscheidung, die den Ernst der Lage unterstreicht. Soldaten bereiten sich bereits darauf vor, gemeinsam mit der Polizei gegen die Gewaltwelle vorzugehen.

Erschießungen und brennende Busse

Während es am Donnerstag nach der Ankündigung des Militäreinsatzes im Großraum Johannesburg relativ ruhig blieb, wurden in Durban und in Townships der Provinz Mpumalanga erneut Ausländer angegriffen. Nach unbestätigten Berichten waren auch die Orte Brits und Secunda betroffen. Bei Secunda wurde nach Polizeiangaben ein Mosambikaner erschossen. Zwei Busse gingen in Flammen auf und brannten aus. Geschäfte von Somaliern wurden geplündert.

Kenias Regierung ist angesichts der Vorfälle zur Evakuierung bedrohter Kenianer bereit. Die Zahl der Kenianer in Südafrika wird auf etwa 20.000 geschätzt, berichtet die Zeitung "Daily Nation" am Donnerstag unter Berufung auf Außenminister Moses Wetangula.

In Südafrikas Öffentlichkeit wuchs die Sorge über negative Auswirkungen auf Wirtschaft und Tourismus, aber auch die Furcht vor möglichen Repressalien gegen Südafrikaner in anderen afrikanischen Ländern.

"Einer der hässlichsten Vorfälle seit Apartheid"

Kritik kam auch vom stellvertretenden Vorsitzenden der Regierungspartei ANC, Kgalema Motlanthe. Das Eingreifen der Polizei sei sehr zögerlich verlaufen und habe die Gewalttäter ztusätzlich ermutigt, sagte Motlanthe. Die Übergriffe seien ein Anschlag auf die Werte der demokratischen Gesellschaft Südafrikas.

"Wir sehen uns mit einem der hässlichsten Vorfälle seit dem Ende der Apartheid konfrontiert", sagte er. Motlanthe ist ein enger Verbündeter von ANC-Chef Jacob Zuma, der in einer Kampfabstimmung über die ANC-Führung Präsident Mbeki besiegt hatte und als künftiger Staatschef gilt.

(Ag./Red.)

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