Italien: Reformminister Bossi zeigt Rom den Mittelfinger

Skandal in Padua: Lega-Nord-Chef Umberto Bossi schmähte die italienische Verfassung. Zu den Klängen der Nationalhymne zeigte er demonstrativ den Mittelfinger. Die Regierungspartner des Reformministers sind wenig erfreut.

(c) EPA (Daniel Dal Zennaro)
Italiens Reformminister Umberto Bossi von der rechtspopulistischen Partei Lega Nord hat die Nationalhymne und den Staat geschmäht und dadurch seine Regierungspartner gegen sich aufgebracht. Bossi erklärte anlässlich eines Parteitreffens im norditalienischen Padua am Sonntag: "Wir dürfen nicht länger Roms Sklaven sein", wie es in der Hymne heiße - und zeigte dabei den Mittelfinger.

Bossi forderte zum „Kampf gegen die zentralistische Kanaille" auf und drohte: „Entweder bekommen wir die Reformen oder es gibt Krieg und wir werden siegen." Bossis Lega Nord kämpft seit Jahren um Dezentralisierung und mehr föderalistische Rechte für das verhältnismäßig reiche Norditalien. Am liebsten sähe die Lega Nord Norditalien als eigenen Freistaat „Padanien".

Der Reformminister erklärte, notwendig sei ein „Kampf gegen den faschistischen Staat", denn die Zeit sei reif, „all dem ein Ende zu setzen". Die Lega Nord wettert gerne und oft gegen die „große Diebin Rom", die das Volk in Norditalien durch „Zwangssteuern" ausplündere. Bossi hatte bereits im vergangenen Jahr zum bewaffneten Kampf aufgefordert, was ihm Schelte von Staatspräsident Giorgio Napolitano einbrachte.

In der Koalition schäumt man. Verteidigungsminister Ignatio La Russa von der postfaschistischen Alleanza Nazionale forderte umgehend eine Entschuldigung von Bossi. Wenn dieser meine, dass er das „Gefühl nationaler Einheit" beleidigen könne, dann wünsche er nicht, mit ihm oder einem anderen der insgesamt vier Lega-Nord-Minister an einem Tisch zu sitzen. Auch der Koordinator von Berlusconis Forza-Italia-Bündnis kritisierte die Aussagen Umberto Bossis, sah jedoch keinen unmittelbaren Handlungsbedarf.

Anders Dario Franteschini von der oppositionellen Partito Democratico, er sprach von einem Skandal. Massimo Donadi von Italia die Valori, ebenfalls eine Oppositionspartei, erinnerte Bossi an den Eid, den er als Minister auf die italienische Verfassung geleistet habe. Donadi forderte aufgrund der Beleidigung der Nationalhymne durch Bossi eine Entschuldigung beim gesamten italienischen Volk.

(APA/Red.)

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