UN-Mitarbeiterin: Milosevic' Nummer zwei vom CIA unterstützt

Der serbische Ex-Geheimdienstchef Jovica Stanisic wurde 2005 dank dreier Unterstützungsschreiben aus dem UN-Tribunal freigelassen. Eines davon stammt von der CIA.

Jovica Stanisic mit Slobodan Milosevic
Jovica Stanisic mit Slobodan Milosevic
(c) AP (Str)

Der Bericht der kalifornischen Tageszeitung "Los Angeles Times", dass der ehemalige serbische Geheimdienstchef Jovica Stanisic (58) während der Balkan-Kriege in den 90er Jahren der "wichtigste Mann der CIA in Belgrad" gewesen sei, sorgt in Serbien für hitzige Debatten. Florence Hartmann, die ehemalige Sprecherin der Chefanklägerin des UNO-Kriegsverbrechertribunals Carla del Ponte, veröffentlichte nun weitere Indizien, die auf enge Kontakte von Stanisic mit ausländischen Kollegen hindeuten. Stanisic war von 1991 bis 1996 Geheimdienstchef Serbiens und Jugoslawiens, er galt als Nummer Zwei nach dem Staatschef Slobodan Milosevic.

Hartmann erklärte für die Tageszeitung "Blic" (Mittwoch-Ausgabe), dass Stanisic im Jahr 2005 aus dem Tribunalsgefängnis nicht nur wegen seines schlechten Gesundheitszustandes freigelassen worden sei, sondern auch dank drei Unterstützungsschreiben aus den USA, Frankreich und Großbritannien. "Das Unterstützungsschreiben wurde nicht von der US-Regierung, sondern von einer amerikanischen Institution zugesandt. Der Name dieser Institution ist CIA", erfuhr Del Ponte laut Hartmann von der US-Regierung.

Zweites Schreiben von Giscard d´Estaing

Das zweite Schreiben stammte demnach von einem Sondergesandten des ehemaligen französischen Präsidenten Valéry Giscard d´Estaing. 1995 kooperierte Estaing mit Stanisic bei der Freilassung der von bosnischen Serben gekidnappten französischen Piloten. Von wem das Schreiben aus Großbritannien stammt ist gemäß Hartmann unbekannt geblieben. Die Schreiben sind dem Tribunalssenat, nicht aber der Anklage zugestellt worden, so Hartmann.

Die Ex-Sprecherin Del Pontes zeigte sich überzeugt, dass ausländische Geheimdienste versuchen würden, das Gerichtsverfahren gegen Stanisic vor dem UNO-Tribunal hinausschieben zu wollen. Sollte es aber zum Gerichtsverfahren kommen, könnte sich die Verteidigung auf Personen mit großen Einfluss berufen, meinte Hartmann.

Stanisic war zwischen 1991 und Oktober 1998 serbischer Geheimdienstchef. Zusammen mit seinem einstigen Vize Franko Simatovic "Frenki" wurden er wegen Kriegsverbrechen in Kroatien und Bosnien-Herzegowina angeklagt. Beide wurden im Frühjahr 2003 in Belgrad festgenommen und an das UNO-Tribunal ausgeliefert. Das Verfahren vor dem Haager Gericht wurde im Mai 2008 wegen einer schweren Darmerkrankung Stanisic' unterbrochen. Der einstige Geheimdienstchef Serbiens wird in einem Militärkrankenhaus in Belgrad behandelt und befindet sich seitdem in vorübergehender Freiheit.

Die Tribunalsanklage wirft Stanisic und Simatovic unter anderem vor, drei berüchtigte serbische Milizeinheiten - die "Tiger" von Zeljko Raznatovic "Arkan", "Rote Barette" und "Skorpione" - trainiert zu haben. Alle drei Einheiten sollen Kriegsverbrechen in Kroatien und Bosnien verübt haben.

(Ag.)

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