Gedenkjahr des Armenier-Genozids: Erdogan hat andere Pläne

Im April soll in Türkei ein "Siegesgedenken" zur Schlacht von Gallipoli abgehalten werden, während in Armenien zur selben Zeit des Völkermords gedacht wird.

Ein Bild aus einer syrisch-orthodoxen Weihnachtsfeier in Armenien. 2015 jährt sich der Mord an türkischen Armeniern und Orthodoxen in der Türkei zum hundertsten Mal.
Ein Bild aus einer syrisch-orthodoxen Weihnachtsfeier in Armenien. 2015 jährt sich der Mord an türkischen Armeniern und Orthodoxen in der Türkei zum hundertsten Mal.
Ein Bild aus einer syrisch-orthodoxen Weihnachtsfeier in Armenien. 2015 jährt sich der Mord an türkischen Armeniern und Orthodoxen in der Türkei zum hundertsten Mal. – (c) APA/EPA/YOUSSEF BADAWI

Der Völkermord an den Armeniern hat zwischen der Türkei und Armenien stets für diplomatische Unstimmigkeiten gesorgt. Dieses Jahr jährt sich das Massaker an türkischen Armenieren und Syrisch- und Griechisch-Orthodoxen zum hundertsten Mal. Doch der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat das Jahr 2015 zum Gedenkjahr des "Sieges von Canakkale" (Gallipoli) an den Dardanellen 1915/16 ausgerufen und gießt damit neues Öl ins Feuer. Mit Erdogans Sieges-Gedenkjahr könnte er das Genozid-Gedenken in den Hintergrund drängen, berichtet die christliche Nachrichtenagentur kathpress.

So sollen die Feiern der Dardanellen-Schlachten am 23. und 24. April ihren Höhepunkt erreichen, wenn die Armenier und mit ihnen die ganze christliche Welt des Genozids gedenken. Erdogan versucht die Erinnerung an diese Gräuel auch dadurch abzuschwächen, dass die Türkei auch jene armenischen Soldaten und Offiziere ehren wird, die in Canakkale Seite an Seite mit ihren türkischen Kameraden gekämpft haben.

"Rüpelhaftigkeit"

Tatsache sei jedoch, dass schon seit Anfang 1915 Armenier in der türkischen Armee nur noch unbewaffnet in sogenannten "Arbeitsregimentern" dienen durften, an Erschöpfung starben oder ermordet wurden, schreibt Kathpress. Die einzige Ausnahme blieb allerdings die Dardanellenfront. Das sei jedoch nicht türkischem Großmut, sondern allein der mutigen Haltung des dort kommandierenden deutschen Marschalls Otto Liman von Sanders (1855-1929) zu verdanken gewesen. Der "Löwe von Gallipoli" drohte den Türken, ihnen mit der Waffe entgegenzutreten, falls sie "seine" Armenier - und Griechen - abzutransportieren wagten.

Die armenische Tageszeitung in Istanbul, "Agos", hat das von Erdogan verfügte "Gegengedenkjahr" zum Genozid als "üblen Scherz", "Rüpelhaftigkeit" und "politischen Winkelzug" bezeichnet, um von dem tatsächlichen Anlass zum Nachdenken über die nach wie vor unbewältigte Vergangenheit der Türkei abzulenken.

(APA)

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