Auschwitz-Gedenken: Kein Treffen mit Putin

Der russische Präsident sagt seine Teilnahme ab – mit fragwürdigen Argumenten.

Auschwitz-Birkenau
Auschwitz-Birkenau
Auschwitz-Birkenau – (c) REUTERS (PAWEL ULATOWSKI)

Wien. Wladimir Putin wird an zwei wichtigen europäischen Gedenkveranstaltungen zum Zweiten Weltkrieg nicht teilnehmen. In einem Fall begründet der Kreml das mit der fehlenden Einladung von Seiten der Organisatoren. Eine nicht sehr stimmige Argumentation.

Schon in der Vorwoche wurde bekannt, dass Russlands Präsident den Gedenkfeiern zum 70. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz fern bleiben wird. Am 27. Jänner 1945 hatte die Rote Armee der Sowjetunion die Überlebenden des nationalsozialistischen Vernichtungslagers befreit. Ein Sprecher Putins begründete dies mit dem Umstand, dass keine persönliche Einladung an den Präsidenten ergangen sei. Dies sei allerdings offenbar in diesem Zusammenhang ohnehin nicht üblich, fügte er an.

Womit er recht hat: Denn wie auch bei anderen KZ-Gedenkveranstaltungen üblich, werden die Einladungen von den nationalen Gedenkvereinen an die Botschafter der jeweiligen Länder übermittelt. Dies ist auch in Polen so passiert – und trotzdem schickt Putin nur den Chef der Präsidialadministration, Sergej Iwanow, zu der Veranstaltung. Ulrike Lunacek, die als Vizepräsidentin des Europaparlaments in Auschwitz sein wird, spricht von einer „vergebenen Chance“. Ein Treffen im „Normandie-Format“ zwischen hochrangigen Vertretern Deutschland, Frankreichs, der Ukraine und Russland hätte dazu genutzt werden können, die drängenden Fragen Europas zu besprechen. „Bei der Erinnerung an die Einigkeit gegen das Nazi-Regime auch heute Zusammenhalt zu demonstrieren wäre notwendiger denn je“, so Lunacek.

Auch dem vierten Welt-Holocaust-Forum, das am 26. und 27. Jänner in Prag über die Bühne geht, wird Putin nicht beiwohnen. Zu dem Symposium hatte ihn der tschechische Präsident Miloš Zeman persönlich eingeladen. Ein Vertreter des Föderationsrates soll kommen. Protokollarisch ist auch in Prag alles wie üblich gelaufen. Ist das Fernbleiben Putins etwa ein Signal an die Veranstalter? Das von einer Stiftung organisierte Event findet unter der Patronage der Präsidenten Israels, Lettlands, Polens und der Ukraine statt. (som)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.01.2015)

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