Ideologe Dugin: Österreich soll aufgelöst werden

Der russische Eurasien-Theoretiker und FPÖ-Vertraute Alexander Dugin erklärte in einem Interview, dass die "Ära der Großreiche" angebrochen sei.

Alexander Dugin denkt nicht gern in kleinen Einheiten.
Alexander Dugin denkt nicht gern in kleinen Einheiten.
Alexander Dugin denkt nicht gern in kleinen Einheiten. – (c) imago/ITAR-TASS (imago stock&people)

"Großreiche" seien die Zukunft Europas, für Kleinstaaten wie Österreich bleibt da kein Platz: Das ist die Zukunftsvision des russischen Eurasien-Theoretikers und FPÖ-Freundes Alexander Dugin.

Man könnte Dugin für einen Spinner halten, wenn der 53-Jährige nicht eine einflussreiche Persönlichkeit im heutigen Russland wäre: Der Publizist, dessen neuestes Buch "Russlands eurasische Revanche" in allen großen Buchhandlungen Moskaus erhältlich ist, gilt als politischer Ideengeber mit guten Kontakten bis zum Kreml. Auch die heimische FPÖ verfügt über sehr gute Vebindungen zu Dugin, den man mehrfach zu Veranstaltungen eingeladen hat, zum letzten Mal Ende Mai 2014 zu einer Tagung hinter geschlossenen Türen über die Zukunft Europas.

Pufferzone Mitteleuropa

Dugin gab nun dem Jobbik-nahen ungarischen Internetportal "Alfahir" ein Interview. Darin erklärte er, dass er Länder wie Österreich, Ungarn, Rumänien, Serbien und die Slowakei auflösen würde. Damit wären auch alle in verschiedene Länder aufgeteilten Ungarn wieder in einem großen Staatsgebilde: „Wenn Ungarn, Rumänien, Serbien, die Slowakei, vielleicht Wolhynien und Österreich eine Einheit bilden würden, dann würde das alle Ungarn miteinschließen, wodurch in ethnischer Hinsicht die Verhältnisse vor Trianon wiederhergestellt wären."

Im Rahmen eines Nationalstaates wäre das "unmöglich, schlichtweg deshalb, weil die Existenz des Nationalstaates ein Unding ist”, fügte Dugin an.

Alle diese genannten Länder sollten sich unter dem Begriff "Mächtiges Osteuropa" vereinigen und eine Art Pufferzone zwischen der russisch geführten "Eurasischen Union" und dem deutschen "Europa" bilden. Auch warnte er in dem Gespräch vor dem Niedergang Europas angesichts Homo-Ehen und Verwestlichung.

Rechtsaußen-Philosoph und Talkshow-Gast

Alexander Dugin ist Vorsitzender der Internationalen Eurasischen Bewegung. Er hat in den letzten Jahren eine rasante Karriere hingelegt: Vom verschrobenen bärtigen Rechtsaußen-Philosophen mutierte er zum anerkannten Talkshow-Teilnehmer im staatsnahen Fernsehen. Dugins frühe Traktate haben eine offenkundige Nähe zum Faschismus. In den letzten Jahren präsentiert er sich vor allem als Proponent der eurasischen Idee. Kurz gesagt geht es dabei um den Kampf der Kontinente: Unter der Führung Russlands soll sich Eurasien, und damit Europa, gegen die USA verbünden.

Als zentral bezeichnete Dugin in dem Gespräch die Frage, "über welches Zukunftsbild wir verfügen". Dugin bekundete gegenüber "Alfahir" seine Angst vor dem "westlichen Nihilismus", den er mit der Globalisierung gleichsetzte. In der Globalisierung gingen Werte wie Glaube, Kultur, sakrales Wissen völlig unter. "Wir müssen endlich unsere Augen öffnen und gemeinsam - Russen, Ungarn, Slowaken, Rumänen, Serben, Deutsche, Franzosen und Spanier - gegen den Westen aufstehen, oder wir verschwinden schön langsam, einer um den anderen."

(som/pbo)

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