Vian Dakhil: "5000 Kinder und Frauen in Gewalt der IS"

Die jesidische Abgeordnete Vian Dakhil fordert mehr Waffenhilfe gegen die IS-Extremisten.

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Irakische Flüchtlingskinder – APA/EPA/MOHAMMED JALIL

Mit ihrer beeindruckenden Rede vor dem irakischen Parlament bewegte Vian Dakhil die ganze Welt. Der verzweifelte Hilferuf der einzigen jesidischen Abgeordneten in Bagdad war von allen internationalen Medien verbreitet worden – gerade als die Extremisten des IS über die jesidischen Dörfer in Sinjar herfielen. Nun, ein halbes Jahr später, zieht die Abgeordnete im „Presse“-Interview Bilanz.

Die ganze Welt war schockiert, als Sie vergangenen August während eines Hilfsfluges für die in den Bergen eingeschlossenen jesidischen Flüchtlinge mit dem Hubschrauber abstürzten.

Vian Dakhil: Zum Glück geht es mir wieder besser. Nur beim Stiegensteigen habe ich noch Probleme.

 

Wie sehen Sie die derzeitige Lage der Jesiden im Irak?

Die Situation ist sehr prekär. Es gibt etwa 400.000 jesidische Flüchtlinge. Unseren Kindern geht es sehr schlecht. Sie können die Schule nicht besuchen. Noch etwa 5000 Kinder und Frauen befinden sich in der Gewalt der IS-Extremisten. Die Terroristen haben unsere Frauen missbraucht und versklavt. Sie haben sie im Irak und auch in andere Länder weiterverkauft. Der IS nimmt den jesidischen Eltern die Kinder weg. Sie wollen aus ihnen die nächste Generation von IS-Extremisten machen.


Wie kann ein Ausweg aus dieser Situation gefunden werden?

60 Prozent unserer Gebiete sind befreit worden. Der Rest ist aber nach wie vor vom IS besetzt. Jesiden sind derzeit mit den Peschmerga-Truppen in Sinjar, um zu kämpfen. Wir brauchen bessere Waffen und internationale Hilfe.

 

Ist nach all dem, was die Jesiden erlitten haben, überhaupt noch an eine Rückkehr in das Sinjar-Gebiet denkbar?

Natürlich wollen wir zurück. Das ist unser Land. Dort befinden sich unsere Heiligtümer. Das Problem ist aber, dass wir das Vertrauen zu unseren früheren arabischen Nachbarn verloren haben. Viele von ihnen haben mit den IS-Extremisten zusammengearbeitet.

 

Einige jesidische Vertreter wollen eine eigene Autonomie für das Gebiet?

Es gibt verschiedene Personen, die unterschiedliche Modelle vorgeschlagen haben. Die meisten Jesiden wollen aber, dass das Sinjar-Gebiet Teil der Kurdenregion im Nordirak wird.

 

Was verlangen Sie von der internationalen Gemeinschaft?

Wir fordern von der Weltgemeinschaft, dass sie uns mit guten Waffen versorgt, damit wir uns verteidigen können. Wir brauchen Schutz für alle Minderheiten in der Region. Und natürlich benötigen wir dringend humanitäre Hilfe.

Steckbrief

Vian Dakhil
ist die einzige jesidische Abgeordnete im irakischen Parla-ment. Am 5. August 2014 warnte sie in einer weltweit beachteten Rede vor einem Genozid an den Jesiden.

Nur Tage später wurde sie bei einem Hubschrauberabsturz schwer verletzt.
Schneider

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.02.2015)

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