Attentäter von Tunis erhielten Kampfausbildung in Libyen

Die radikalen Salafisten waren im Dezember heimlich aus Tunesien ausgereist. Hunderte Tunesier demonstrierten gegen den Terror.

Die Attentäter von Tunis haben nach Angaben der tunesischen Regierung ein Kampftraining in Libyen erhalten. Die beiden radikalen Salafisten seien im Dezember heimlich aus Tunesien ausgereist und im Nachbarland an Waffen ausgebildet worden, sagte Sicherheits-Staatssekretär Rafik Chelly einen Tag nach dem Anschlag mit mehr als 20 Toten einem Fernsehsender.

Am Freitag, dem Unabhängigkeitstag, demonstrierten Hunderte Menschen in der Hauptstadt Tunis sowie auf Djerba gegen Terrorismus.

Die Männer seien Mitglieder einer "Schläfer-Zelle" von Salafisten gewesen, sagte Chelly am Donnerstagabend dem Sender. Nach Behördenangaben kämpfen rund 3.000 Tunesier im Irak, in Syrien und in Libyen für die Jihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS). Zwei Bewaffnete hatten am Mittwoch das Nationalmuseum in Tunis gestürmt und auf die Besucher geschossen. Dabei wurden unter anderen 20 Touristen getötet und Dutzende Menschen verletzt. Zu der Tat bekannte sich der IS.

Nach Angaben des tunesischen Präsidenten Beji Caid Essebsi hatten die Angreifer auch Sprengstoff bei sich. Dessen Einsatz sei jedoch durch das rasche Eingreifen der Polizei verhindert worden. Für Mittwoch waren nach Angaben des Vizeparlamentspräsidenten Abdelfattah Mourou vier Wachen eingeteilt, die das Parlament und das benachbarte Museum schützen sollten. Drei davon seien zum Zeitpunkt des Angriffs in der Kaffeepause gewesen, ein vierter sei nicht erschienen.

"Europa muss darauf antworten"

"Das war ein Angriff gegen Europa, und Europa muss darauf antworten", sagte die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini am Freitag in Brüssel. Die Terrorgefahr müsse gemeinsam bekämpft werden. Auch alle Beteiligten in Libyen, wo seit dem Sturz des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi Chaos herrscht, müssten sich dem IS vereint entgegenstellen. Für den 31. März kündigten Mogherini und der EU-Ratspräsident Donald Tusk eine Reise nach Tunis an.

Wie die Nachrichtenagentur AFP am Freitag aus Polizeikreisen erfuhr, wurde die Familie eines der beiden Attentäter von Tunis festgenommen. Der Vater, zwei Brüder und eine Schwester seien in der Nacht auf Donnerstag nahe der Grenze zu Algerien festgenommen worden. Ob sie zu den nach offiziellen Angaben insgesamt neun Festgenommenen nach dem Anschlag gehörten, war zunächst unklar.

Die mit Kalaschnikows bewaffneten Attentäter hatten am Mittwoch das direkt neben dem Parlament gelegene Museum gestürmt und das Feuer auf die Besucher eröffnet. Der tunesischen Regierung zufolge waren unter den Toten vier Italiener, drei Japaner, mindestens zwei Franzosen, zwei Spanier sowie Touristen aus anderen europäischen Ländern. Die Mehrzahl der Opfer wurde inzwischen identifiziert.

(APA/AFP)

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