Kosovo: Polizei geht mit Tränengas gegen Serben vor

In der geteilten Stadt Mitrovica haben Serben versucht, die Reparatur von fünf albanischen Häusern zu verhindern. Die EULEX-Polizei musste einschreiten. Die EU zeigt sich beunruhigt über die Proteste.

Serbische Proteste in Mitrovica
Serbische Proteste in Mitrovica
(c) AP (Zveki)

Die EULEX-Polizei im Kosovo ist heute Mittwoch erneut mit Tränengas gegen serbische Demonstranten in Kosovska Mitrovica vorgegangen. Serben in dem Nordteil der Stadt protestieren seit Samstag täglich gegen die laufende Reparatur von fünf albanischen Häusern in der Siedlung Brdjani (Kroi i Vitaku).

Der heutige Protest verlief zunächst ruhig, die EULEX-Polizei musste gemäß Medienberichten einschreiten, als die Demonstranten die Fortsetzung der Reparaturarbeiten verhindern wollten.

Serben in der geteilten Stadt berufen sich auf eine Einigung aus dem Jahr 2000, wonach sich die serbische und die albanische Volksgruppe über die Reparatur der albanischen Häuser im Nordteil und der serbischen im Südteil der Stadt einigen sollten. Im Südteil Mitrovicas leben seit dem Ausbruch der ethnisch motivierten Gewalt im März 2004 keine Serben mehr. In dem vorwiegend von Serben bewohnten Nordteil leben albanische Familien in zwei Stadtvierteln.

Bürgermeister: Proteste "unmenschlich"

Der Bürgermeister von Mitrovica, Bajram Rexhepi, erklärte gegenüber dem Sender B-92, dass die Serben "keineswegs daran gehindert" würden, in ihre alten Heime im Südteil der Stadt zurückzukehren. Die im Nordteil der Stadt laufenden Proteste bezeichnete Rexhepi als "unmenschlich". Serben in Brdjani haben unterdessen die Fortsetzung der Proteste auch in den nächsten Tagen angekündigt.

Die EU zeigte sich über die gewalttätigen Proteste besorgt. "Die EU unterstützt die Einsätze von EULEX und KFOR, um Gesetzestreue im Kosovo aufzubauen und eine sichere und geschützte Umgebung zu verteidigen", hieß es in einer am Mittwoch in Prag verbreiteten Erklärung des tschechischen EU-Ratsvorsitzes. "Die EU verteidigt und unterstützt Menschen in ihrem Recht, zurückzukehren zu Häusern und Eigentum, welche sie rechtmäßig besitzen, unabhängig von ihrem ethnischen Ursprung", hieß es in der Stellungnahme der EU.

(Ag.)

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