Uiguren-Führerin fordert US-Unterstützung

Die im Exil lebende Uiguren-Führerin Rebiya Kadeer fordert Washington auf, ein Konsulat in Xinjiang zu eröffnen. Eine Woche nach Beginn der Unruhen herrscht gespannte Ruhe in der Unruheregion.

(c) Reuters (Downing)

Die im Exil lebende Uiguren-Führerin Rebiya Kadeer appelliert unterdessen an die US-Regierung, sich für die in China lebenden Uiguren einzusetzen.

"Die USA haben sich ja bereits stark für Tibet engagiert, das sollten sie jetzt auch für die Uiguren tun", sagte die Präsidentin des uigurischen Weltkongresses in einem Interview mit dem deutschen Nachrichtenmagazin "Focus". Ein deutliches Signal an China wäre etwa die Öffnung eines US-Konsulats in Xinjiang.

Die 60-Jährige, die seit März 2005 in Washington lebt, wies Vorwürfe der chinesischen Regierung zurück, sie sei für die jüngsten Unruhen in Xinjiang verantwortlich. "Schuld daran ist allein die repressive Politik Chinas", sagte sie. "Die Menschen haben es satt, unterdrückt zu werden." Kadeer forderte Peking auf, die "seit 60 Jahren bestehende Politik der Unterdrückung" zu beenden. Zugleich zeigte sie sich offen für einen Dialog mit der chinesischen Regierung.

Öffentliche Versammlungen untersagt

Eine Woche nach Beginn der Unruhen in der nordostchinesischen Provinz Xinjiang hat in der Hauptstadt Urumqi am Sonntag gespannte Ruhe geherrscht. Im Zentrum waren bewaffnete Einheiten der paramilitärischen Polizei stationiert.



In Urumqi untersagten die Behörden für Sonntag öffentliche Versammlungen, Demonstrationen und Märsche. Wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete, kündigte die Polizei an, Verstöße gegen das Versammlungsverbot hart zu ahnden. In einer Mitteilung des Amtes für Öffentliche Sicherheit hieß es, die Lage sei "weitgehend unter Kontrolle", es gebe aber "immer noch gelegentlich illegale Versammlungen und Demonstrationen an einigen Orten". Einige Straßen zum größten Markt Urumqis blieben auch am Sonntag gesperrt.

Hintergrund

Die Uiguren sind eine muslimische Minderheit in Nordwestchina und fühlen sich von der Zentralregierung in Peking unterdrückt. In den vergangenen Jahren gab es vereinzelt Auseinandersetzungen zwischen Sicherheitskräften und extremistischen Uiguren. Vorläufiger Höhepunkt waren im vergangenen Jahr Anschläge mutmaßlicher uigurischer Separatisten während der Olympischen Spiele. Die Vorfälle vom Sonntag und Montag sind der folgenschwerste Zwischenfall in der zentralasiatischen Provinz Xinjiang seit Jahrzehnten. Die Uiguren sind dort infolge der Ansiedlungspolitik Pekings in der Minderheit; ethnische Han-Chinesen stellen die Mehrheit der rund 2,3 Millionen Einwohner.

Bis zu 800 Tote?

Am 5. Juli waren bei schweren Ausschreitungen zwischen Uiguren und Sicherheitskräften mindestens 184 Menschen getötet und 1100 weitere teils schwer verletzt worden. Nach Regierungsangaben waren die meisten Todesopfer Han-Chinesen, Sprecher der Uiguren bezweifelten das. Den Behörden zufolge handelte es sich bei den Toten um 137 Han-Chinesen, 46 Uiguren und einen Angehörigen der Hui, einer weiteren muslimischen Minderheit. Ein Bewohner Urumqis sprach dagegen von mehr als 100 getöteten Uiguren. Exil-Uiguren gehen von bis zu 800 Toten aus.

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