Frankreich droht wegen Streiks der Sprit auszugehen

Seit Tagen löst die Regierung Blockaden bei Raffinerien und Treibstoffdepots auf. Zwanzig Prozent der Tankstellen sind wegen Engpässen geschlossen.

Die Arbeiter zündeten Reifen an.
Die Arbeiter zündeten Reifen an.
Die Arbeiter zündeten Reifen an. – APA/AFP/JEAN-SEBASTIEN EVRARD

Wegen Protesten gegen die umstrittene Arbeitsmarktreform des sozialistischen Präsidenten Francois Hollande droht Frankreich der Sprit auszugehen. Radikale Gewerkschaften hatten am Montag sechs der acht Raffinerien des Landes besetzt. Viele französische Tankstellen hatten daraufhin keinen Sprit mehr.

Seit mehreren Tagen löse die Regierung daher Sperren streikender Arbeiter auf. Auch am Dienstag haben Sicherheitskräfte die Blockaden vor der Raffinerie und dem Treibstoffdepot von Esso im südfranzösischen Fos-sur-Mer geräumt. Sie seien dabei auf erheblichen Widerstand von rund 200 Anhängern der kommunistischen Gewerkschaft CGT gestoßen, berichtete ein Vertreter der Polizeipräfektur.

Blockade wegen "Regierungs-Dickköpfigkeit"

Hunderte Mitglieder der CGT hatten in der Nacht auf Montag damit begonnen, die Zufahrt zur Raffinerie in Fos-sur-Mer am Mittelmeer mit alten Reifen und Holzpaletten zu blockieren. Ein Teil von ihnen wehrte sich heftig gegen die Räumung, sie setzten laut Polizei Reifen und Paletten in Brand und schleuderten Wurfgeschoße gegen die Sicherheitskräfte. Diese setzten Tränengas ein. Der Funktionär Emmanuel Lépine der Gewerkschaft CGT warf den Behörden gewaltsames Vorgehen vor und sagte, das seien beinahe "Kriegsszenen".

"Die Blockade ist die Konsequenz der Dickköpfigkeit der Regierung, die nicht auf das antwortet, was die Leute verlangen", sagte Emmanuel Lepine, Funktionär der Gewerkschaft CGT dem Sender France Info. Er warf warf den Behörden gewaltsames Vorgehen vor und sagte, das seien beinahe "Kriegsszenen". Weitere Aktionen sind schon angekündigt: Montagabend stimmten die Mitarbeiter des Rohöl-Terminals von Le Havre dafür, von Dienstagabend bis Freitag ebenfalls in Streik zu treten. Dort werden laut Betreiber 40 Prozent der Rohöl-Importe des Landes abgewickelt.

Regierung versucht Sorgen zu zerstreuen

Die Regierung will die geplanten Arbeitsrechtsmaßnahmen gegen massiven Widerstand durchsetzen. Präsident Francois Hollande hat wiederholt bekräftigt, dass er daran festhalten werde. Vorgesehen sind unter anderem eine Lockerung des Kündigungsschutzes und eine Aufweichung der 35-Stunden-Woche, um die hohe Arbeitslosigkeit zu bekämpfen.

Frankreichs Regierung bemüht sich angesichts der anhaltenden Streiks, Sorgen vor einer Sprit-Knappheit zu zerstreuen. Der Staat gehe entschlossen vor, damit es zu keiner Unterversorgung komme, versicherte Premierminister Manuel Valls am Montagabend.

Verkehrsstaatssekretär Alain Vidalies erläuterte, etwa 20 Prozent der rund 12.000 Tankstellen im Land seien geschlossen oder in großen Schwierigkeiten. Innenminister Manuel Valls warnte vor Panik: "Es gibt kein Vorratsproblem, es gibt ein Logistik- und Lastwagen-Problem", betonte er. "Der Verbrauch des vergangenen Wochenendes war dreimal so hoch wie im Durchschnitt", sagte er. Angesichts Meldungen über geschlossene Tankstellen hatten offensichtlich viele Franzosen versucht, ihren Tank aufzufüllen.

(APA/AFP/dpa)

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