Moskau und Kiew tauschen erneut Häftlinge

Russland lässt zwei Ukrainer frei, die Ukraine Separatisten.

Moskau/Kiew. Zwischen Russland und der Ukraine ist es nach dem spektakulären Fall Nadja Sawtschenko vor drei Wochen zu einem weiteren Gefangenenaustausch gekommen. Gestern erreichten die beiden von Kiew als politische Häftlinge betrachteten Gennadij Afansjew (25) und Juri Soloschenko (73) Kiew. Beide waren in Russland zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden; Afansjew wegen angeblichen Terrorismus, Soloschenko wegen Spionage.

Ausgetauscht wurden sie gegen zwei Aktivisten, denen die Ukraine separatistische Umtriebe vorwirft. Elena Glischinskaja und Vitalij Didenko wird die Teilnahme am „Volksrat Bessarabien“ vorgeworfen, der die Abspaltung von Teilen des Gebiets Odessa verfolgt habe. Didenko wurde zu drei Jahren verurteilt; Glischinskaja, die während der Untersuchungshaft im April 2016 ein Baby gebar und zwei weitere Kinder hat, hat kein Urteil erhalten.

Das Fragwürdige am gestrigen Häftlingstausch: Anders als die beiden im Fall Sawtschenko Überstellten sind Didenko und Glischinskaja keine russischen, sondern ukrainische Staatsbürger. Kiew hat somit zwei seiner Bürger deportiert, laut Informationen der „Nowaja Gaseta“ mit Zustimmung der Betroffenen und ihrer Familien. Die Kiewer Behörden kommentierten den Fall zunächst nicht. (som)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.06.2016)

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