Brexit "ein Sieg der Alten über die Jungen"

Für den schottischen Bestseller-Autor Martin Walker wurzelt das Ergebnis des EU-Referendums in der Rezession und der Migrationsbewegung.

BRITAIN-EU-VOTE-BREXIT
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Briten am Abstimmungstag hinter einem SChild, das für den Brexit wirbt – (c) APA/AFP (PAUL FAITH)

Der schottische Bestseller-Autor und Historiker Martin Walker findet klare Worte zum Brexit, dem Votum für den EU-Austritts Großbritanniens: Es sei "ein Sieg der Vergangenheit über die Zukunft". Die Wurzeln dafür erkennt er in der 2008 begonnen Rezession sowie der Migrationsbewegung, "die Großbritanniens außerhalb der Insel geborene Bevölkerung von 3,8 Millionen in 1993 auf heute 8,3 Millionen ansteigen ließ".

"Die Brexit-Abstimmung hat den Sieg der Vergangenheit über die Zukunft gebracht, der Alten über die Jungen, der weniger Gebildeten über die Universitätsabgänger, die weniger Qualifizierten über die Wendigen, die sich auf das postindustrielle Zeitalter einstellen können, von 'The Sun' und 'Daily Mail' über 'Financial Times' und 'The Guardian', der Eingeborenen über die Kosmopoliten, von 'Little England' über 'Great Britain'", heißt es in einem von seinem Verlag Diogenes verbreiteten Statement Walkers.

"Die Konsequenzen werden düster - sicher für Großbritannien, vermutlich für Europa und sehr wahrscheinlich auch für jenes humane, rationale und demokratische Gebilde, das wir den Westen nennen", so der Autor.

Martin Walker bei der Frankfurter Buchmesse
Martin Walker bei der Frankfurter Buchmesse
Martin Walker bei der Frankfurter Buchmesse – (c) imago (imago stock&people)

Junge tragen "Hauptlast der Konsequenzen eines Brexit"

Der aus Großbritannien stammende FM4-Moderator Chris Cummins glaubt nicht, dass Großbritannien "zusammen bleibt", wie er in einem Statement gegenüber der APA schrieb. "Eine demokratische Entscheidung sollte man mit Würde annehmen", hielt der Moderator in einer schriftlichen Reaktion gegenüber der APA fest. "Aber wenn man sich das Alter der Wähler anschaut, zeigt sich sehr deutlich, dass die Jungen, die oft in prekären Verträgen stecken und ihr Arbeitsleben noch vor sich haben, die Hauptlast der Konsequenzen eines Brexit tragen müssen, obwohl sich jüngere Generationen deutlich für einen Verbleib ausgesprochen haben."

Junge gegen Brexit, Ältere dafür

Bei der letzten YouGov-Umfrage vor dem Referendum gaben 72 Prozent der 18- bis 24-Jährigen an, für einen Verbleib in der EU stimmen zu wollen. Bei allen anderen Altersgruppen hatten die EU-Gegner die Mehrheit: je älter, desto eher stimmten sie statistisch gesehen für den Brexit.

  • 18 bis 24 Jahre: 75 Prozent für Verbleib Großbritanniens in der EU
  • 25 bis 49: 56 Prozent für Verbleib
  • 50 bis 64: 44 Prozent für Verbleib
  • über 65 Jahr: 39 Prozent für Verbleib

Quelle: Letzte YouGov-Umfrage vor dem Referendum

Aus seiner Sicht wackelt nun auch das Vereinigte Königreich. "Mit Schottlands starkem Votum für einen Verbleib sehe ich nicht, dass Großbritannien zusammen bleibt", unterstrich Cummins.

Aus seiner Sicht sei es unklug gewesen, das Referendum über "so eine komplizierte Beziehung" zum jetzigen Zeitpunkt abzuhalten. Die Ausstiegsbefürworter hätten auch in Gebieten, die traditionell der Labour Party zugerechnet werden, gewonnen - "obwohl Labour sich offiziell für einen Verbleib stark gemacht hat", gab Cummins zu bedenken. "Ich fürchte, viele Stimmen resultierten auch aus einer Abneigung gegenüber der Mainstream Politik, und die EU wurde somit zum Sündenbock." Es lasse sich nicht sagen, ob die Unzufriedenheit mit der Globalisierung, die Frustration über eine abgehobene Politik oder der verlorene Draht der Politiker zu den Wählern letztlich den Ausschlag gegeben habe.

(APA)

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