IS-Anschlag auf Kirche in Frankreich: Ein Täter hatte Fußfessel

Zwei bewaffnete Männer nahmen in einem Gotteshaus Geiseln und schnitten einem Priester die Kehle durch. Drei weitere Menschen wurden verletzt, einer davon schwebt in Lebensgefahr. Die beiden Angreifer wurden erschossen.

(c) APA/AFP/MATTHIEU ALEXANDRE (MATTHIEU ALEXANDRE)

Eine Geiselnahme im Norden des Landes erschüttert Frankreich. Zwei bewaffnete Männer haben in einer Kirche in Saint-Etienne-de-Rouvray nahe Rouen mehrere Menschen in ihre Gewalt gebracht. Eine Geisel, ein 84-jähriger Priester, wurde brutal ermordet. Es gibt drei Verletzte, eine Person schwebt in Lebensgefahr. Die beiden Angreifer wurden von Sicherheitskräften erschossen. Frankreichs Präsident Francois Hollande nannte den Angriff auf die Kirche einen "schändlichen terroristischen Anschlag".

Die Geiselnehmer hatten sich laut Hollande auf die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) berufen. Die Zeitung "Le Point" hatte schon zuvor berichtet, dass die Täter während des Angriffs "Daesh" geschrien hatten, ein Synonym für die Terrormiliz IS. Mittlerweile hat sich auch die IS-Terrormiliz zu dem Anschlag auf die Kirche bekannt. Es habe sich um "zwei Soldaten" des IS gehandelt.

Über die Identität der Täter wurden zunächst keine Details veröffentlicht. Es sickerte lediglich durch, dass einer der beiden den Behörden schon seit Langem bekannt war: Im Mai 2015 hatte der Mann vergeblich versucht, nach Syrien zu gelangen, um sich dort dem IS anzuschließen. Allerdings wurde er in der Türkei gestoppt und nach Frankreich zurückgeschickt, wo er in Untersuchungshaft kam. Erst am 22. März 2016 war er er aus der Haft entlassen worden. Er stand aber unter Polizeikontrolle, musste eine elektronische Fußfessel tragen und durfte seine Wohnung in diesem Vorort von Rouen nur von 8.30 bis 12.30 Uhr verlassen. Das hat ihn nun nicht an der Ausführung der Bluttat gehindert.

Die Bewaffneten waren Medienberichten zufolge um 10 Uhr vormittags während eines Gottesdiensts in die Kirche eingedrungen und verschlossen die Türen. Die Zeitung "Le Figaro" schreibt, dass die Männer den Priester, zwei Nonnen und zwei Gläubige als Geiseln genommen hatten. Eine weitere Nonne soll entkommen sein und den Notruf abgesetzt haben. Eine Bestätigung für diese Informationen gab es nicht.

Priester angeblich Kehle durchgeschnitten

Die Geiselnahme soll rund 40 Minuten gedauert haben. Die Angreifer hatten dabei dem 84-jährigen Priester Jacques H. die Kehle durchgeschnitten, berichtet "Le Figaro". Einem Bericht von "Le Parisien" zufolge liefen die Verdächtigen danach aus dem Vorderportal auf den Kirchplatz, wo sie auf Polizisten mit mindestens einer kleinkalibrigen Waffe schossen. In ersten Berichten hatte es noch geheißen, die Täter seien nur mit Messern bewaffnet gewesen. Eine Kugel traf einen Polizisten ins Bein, zwei Geschosse blieben in Polizeischutzschilden stecken. Darauf eröffneten die Sonderpolizisten das Feuer.

Frankreichs Präsident Francois Hollande und Innenminister Bernard Cazeneuve sind mittlerweile am Tatort angekommen. Premier Manuel Valls nannte den Angriff "barbarisch": "Horror angesichts der barbarischen Attacke auf eine Kirche (...). Ganz Frankreich und alle Katholiken sind verletzt worden. Wir stehen zusammen", twitterte er. Der Papst sprach von einer "absurden Gewalttat" (mehr dazu hier).

Einsatzkräfte am Tatort
Einsatzkräfte am Tatort
Einsatzkräfte am Tatort – (c) APA/AFP/CHARLY TRIBALLEAU (CHARLY TRIBALLEAU)

Frankreich und Deutschland wurden in den vergangenen Wochen von Terrorangriffen erschüttert. Im südfranzösischen Nizza kam es vor eineinhalb Wochen zu einem Anschlag mit 84 Toten. Erst heute wurde bekannt, dass die Polizei zwei weitere mögliche Helfer des Angreifers festgenommen hat. Sie könnten ihn "logistisch unterstützt haben".

--> Bericht auf "Le Figaro"

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