Die Welt rüstet weiter auf

Spitzenreiter bei Militärausgaben bleiben die USA. Indien und Russland erhöhen ihr Verteidigungsbudget massiv. Auch Österreich verzeichnet ein Plus.

Im Vergleich zu anderen Weltmächten schneiden die USA bei der Erhöhung der Ausgaben eher mager ab.
Im Vergleich zu anderen Weltmächten schneiden die USA bei der Erhöhung der Ausgaben eher mager ab.
Im Vergleich zu anderen Weltmächten schneiden die USA bei der Erhöhung der Ausgaben eher mager ab. – APA/AFP/US NAVY/RYAN HARPER

Das zweite Jahr in Folge stiegen die Militärausgaben 2016 weltweit leicht. Im vergangenen Jahr wurden 1,69 Billionen US-Dollar (1,57 Billionen Euro) für militärische Zwecke ausgegeben, wie ein am Montag veröffentlichter Bericht des Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI) zeigt. Indien und Russland verzeichneten unter den fünf Top-Nationen den größten Anstieg. In Europa war es Lettland.

Die 15 Länder mit den höchsten Militärausgaben (mit einem Gesamtvolumen von insgesamt 1,36 Billionen Dollar) sind für 81 Prozent der Ausgaben aller Staaten verantwortlich. Während zwischen 2007 und 2016 China mit 118 Prozent und Russland mit 87 Prozent ein kräftiges Plus verzeichneten, sanken die Ausgaben in Großbritannien um zwölf Prozent und in den USA um knapp fünf Prozent.

Spitzenreiter bei den jährlichen Militärausgaben bleiben mit 611 Milliarden Dollar dennoch die USA. Das war zwar noch immer weniger als im Jahr 2010, allerdings stieg der Wert 2016 im Vorjahresvergleich um 1,7 Prozent. Angesichts dieser Zunahme könnte laut SIPRI dem - der Wirtschaftskrise und dem Abzug der US-Truppen aus Afghanistan sowie dem Irak geschuldeten - dauerhaften Sparen bei Militärausgaben ein Ende gesetzt sein. Im Vergleich zu anderen Weltmächten schneiden die USA jedoch bei der Erhöhung der Ausgaben eher mager ab.

Indien und Russland verzeichnen unter den Top-5-Nationen den größten Anstieg.
Indien und Russland verzeichnen unter den Top-5-Nationen den größten Anstieg.
Indien und Russland verzeichnen unter den Top-5-Nationen den größten Anstieg. – APA

Korea-Konflikt lässt China aufrüsten

China gab im vergangenem Jahr um 5,4 Prozent mehr für militärische Zwecke aus und erhöhte damit das Budget auf 215 Milliarden Dollar. Die Volksrepublik ist dabei führend in der Region Asien und Ozeanien, dessen Militärausgaben 2016 um 4,6 Prozent stiegen. Grund dafür dürften unter anderem die zunehmenden Spannungen im Korea-Konflikt sowie die Streitigkeiten um die Inseln im Südchinesischen Meer sein.

Auch die Ausgaben Russlands kletterten um 5,9 Prozent auf 69,2 Milliarden Dollar. Damit überholte es Saudi-Arabien, dessen Militärbudget trotz regionaler Konflikte um 30 Prozent auf 63,7 Mrd. Dollar schrumpfte. Durch den seit 2014 sinkenden Ölpreis erlitten auch andere vom Export des Rohstoffs abhängige Staaten ein ähnliches Schicksal wie das Königreich - allen voran Venezuela (-56 Prozent), Südsudan (-54 Prozent), Aserbaidschan und der Irak (mit jeweils minus 36 Prozent).

Nach dem fünfplatzierten Indien, dessen Militärausgaben 2016 gleich um 8,5 Prozent auf 55,9 Milliarden Dollar anstiegen, legte Frankreich mit 55,7 Milliarden Dollar ähnlich viel auf den Tisch. SIPRI verweist hier auf Italien, das um elf Prozent auf 27,9 Milliarden Dollar erhöhte - zum Teil, so heißt es im Bericht, sei dies auf "die Unterstützung der heimischen Waffenindustrie" zurückzuführen. Unter den Top-11 befinden sich Großbritannien mit 48,3 Milliarden Dollar und Deutschland mit 41,4 Milliarden Dollar.

Baltikum in Russland-Angst

In Europa ist Lettland der Spitzenreiter. Der baltische Staat erhöhte seine militärischen Ausgaben um 44 Prozent. Auch Litauen erhöhte um 35 Prozent. Die baltischen Staaten und NATO-Mitglieder fühlten sich zunehmend von Russland bedroht, erklärt SIPRI-Experte Siemon Wezeman und fügt hinzu: "Und das obwohl die Militärausgaben Russlands gerade einmal 27 Prozent der gesamten NATO-Ausgaben europäischer Staaten ausmachen."

Die Militärausgaben in Österreich haben ebenfalls wieder leicht angezogen. Im vergangenen Jahr waren es 2,86 Milliarden Dollar, ein Jahr zuvor noch 2,67 Milliarden Dollar. Vor 2015 lag der Wert sechs Jahre stets über 3,18 Milliarden Euro.

Erwähnenswert ist laut SIPRI auch die Entwicklung in der Region Süd- und Mittelamerika sowie in den Karibik-Staaten. Dort wurde mit einem Minus von 7,8 Prozent der größte Rückgang seit 2007 verzeichnet. Der Grund liegt vor allem in den Kürzungen der Öl exportierenden Staaten wie Venezuela, Ecuador, Mexiko oder Peru. Auch Brasilien setzte aufgrund der anhalten Wirtschaftskrise den Sparstift an.

Auch in Afrika drückten die Öl exportierenden Staaten wie der Südsudan und Angola die Militärausgaben. Hinzu kommt, dass auch die Nummer eins des Kontinents, Algerien, sein Budget mit 2,3 Prozent nur schwach erhöhte. Einzig Mali gesellt sich mit einem Plus von 18 Prozent, das u.a. auf seine Friedensmission zurückzuführen ist, in die Nähe von Botswana mit einem Plus von 40 Prozent. Die Modernisierung des Militärprogramms wird als Ursache für die Erhöhung bei Militärausgaben von 40 Prozent in dem konfliktarmen Land genannt.

(APA)

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