China: Menschenrechtler kritisieren Geheim-Gefängnisse

Die Menschenrechts-Organisation "Human Rights Watch" beschuldigt die chinesische Regierung, unzählige Menschen in illegalen Geheim-Gefängnissen einzusperren. China bestreitet die Vorwürfe.

China: Menschenrechtler kritisieren Geheim-Gefängnisse
China: Menschenrechtler kritisieren Geheim-Gefängnisse
(c) EPA (Mirror Cheung)

Die Menschenrecht-Organisation Human Rights Watch (HRW) hat die chinesische Regierung beschuldigt, unzählige Menschen ohne ordentliche Verfahren in geheime Gefängnisse zu sperren. Chinesische Bürger würden seit dem Jahr 2003 in den illegalen Hafteinrichtungen ohne Kontakt zur Außenwelt über Tage oder Wochen festgehalten, heißt es in einem am Donnerstag veröffentlichten Bericht der Menschenrechtsorganisation. Laut Human Rights Watch handelt es sich bei den Inhaftierten in der Regel um Petitionssteller, die sich gegen ihnen widerfahrenes Unrecht zur Wehr setzen wollten.

Regierungsvertreter, Sicherheitskräfte oder von ihnen Beauftragte entführen laut dem Bericht in Peking und anderen chinesischen Städten regelmäßig Menschen auf der Straße und sperrten sie in sogenannte "schwarze Gefängnisse", berichtete HRW. Oft seien diese Gefängnisse in staatlichen Hotels, Pflegeheimen und psychiatrischen Anstalten untergebracht.

Kinder und Jugendliche in Geheim-Gefängnissen

Betroffen seien meistens Bürger aus ländlichen Regionen, die eigens nach Peking oder in Provinzhauptstädte reisten, um sich dort über Verstöße wie illegale Landenteignung, Korruption der Behörden oder Folter durch Polizeibeamte zu beschweren und für ihr Recht zu kämpfen. Die "schwarzen Gefängnisse" würden mit Duldung der Behörden für öffentliche Sicherheit von Vertretern der örtlichen Regierung eingerichtet, um dort Beschwerdeführer festhalten, abstrafen und dann wieder in ihre Heimat zurückschicken zu können.

In dem Bericht zitiert HRW ehemalige Gefangene, die über Gewalt, Diebstahl, Erpressung, Drohungen, Einschüchterungen, Schlaf- und Nahrungsentzug sowie Verweigerung von ärztlicher Behandlung berichteten. Auch Kinder und Jugendliche unter achtzehn Jahren würden dort festgehalten. Die Inhaftierung von Bittstellern verstößt laut HRW auch gegen die in der Volksrepublik geltenden "Vorschriften für Briefe und Besuche" zur Regelung des Petitionswesens. Dass es solche Gefängnisse auch mitten in Peking gebe, spreche "den Behauptungen der chinesischen Regierung in Bezug auf eine Verbesserung der Menschenrechtssituation und der Achtung der Rechtsstaatlichkeit Hohn", erklärte die HRW-Asienbereichsleiterin Sophie Richardson. Sie forderte die Regierung in Peking auf, die "schwarzen Gefängnisse umgehend zu schließen, gegen die Verantwortlichen zu ermitteln und den Menschen, die dort misshandelt wurden, ihre Unterstützung anzubieten."

Dementi aus Peking

Die chinesische Regierung dementierte erneut die Existenz "schwarzer Gefängnisse". Er könne versichern, dass es keine derartigen Einrichtungen gebe, sagte der Sprecher des Außenministeriums, Qin Gang, vor Journalisten. In den nach westlichen Geheimdiensterkenntnissen rund tausend chinesischen "Umerziehungs"-Straflagern des "Laogai"-Systems ("Reform durch Arbeit") befinden sich Hunderttausende von Regimegegnern ohne Gerichtsurteil.

(Ag.)

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