Chelsea Manning nach sieben Jahren aus der Haft entlassen

Die Wikileaks-Informantin war ursprünglich zu 35 Jahren verurteilt worden. Ex-Präsident Obama hatte einen Großteil der Strafe erlassen.

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REUTERS

Kamerateams belagerten schon in der Nacht und den frühen Morgenstunden den Eingang des Militärgefängnisses in Fort Leavenworth im US-Bundesstaat Kansas. In dieser Einrichtung hatte die Wikileaks-Informantin Chelsea Manning zuletzt ihre Strafe abgesessen und sollte nach sieben Jahren Haft entlassen werden. Doch Manning selbst bekamen die Reporter zunächst nicht zu sehen, es gab keine Pressekonferenz der berühmten Whistleblowerin, keine Fotos: Ein Sprecher der Armee teilte am Mittwoch schließlich mit, Manning habe das Gefängnis verlassen und sei frei.

„Nach weiteren angstvollen vier Monaten des Wartens ist der Tag endlich gekommen“, erklärte Manning dann in einem Statement über ihre Anwälte. „Alles, was vor mir liegt, ist wichtiger als die Vergangenheit.“ Sie habe die Unterstützung von Menschen aus der ganzen Welt sehr geschätzt.

Der frühere US-Präsident Barack Obama hatte die Haftstrafe von ursprünglich 35 Jahren kurz vor dem Ende seiner Amtszeit um 28 Jahre gekürzt. Noch als Mann und unter dem Namen Bradley Manning war die heute 29-Jährige von 2007 an für die US-Streitkräfte im Irak stationiert gewesen.

Kompromittierendes Material

Im Jahr 2010 hatte sie mehr als 700.000 geheime Dokumente und Aufnahmen an die Enthüllungsplattform WikiLeaks weitergegeben. Um die Welt ging unter anderem eine Video-Aufzeichnung, die den Angriffe mit zwei Apache-Helikoptern auf eine Gruppe von Irakern in Bagdad zeigt. Dabei wurden zwölf Männer getötet und zwei Kinder verletzt.

Republikaner im Kongress hatten die vorzeitige Entlassung als gefährlichen Präzedenzfall für andere Geheimnisverräter kritisiert. Obama sagte damals, die Freilassung Mannings solle kein solches Signal senden.
Manning wollte nach ihren Worten mit der Weitergabe der Dokumente eine Debatte über die Kriege in Afghanistan und im Irak anstoßen. Während der Haftzeit hatte sie sich einer Geschlechtsumwandlung unterzogen.

 

WikiLeaks-Gründer Julian Assange, selbst Objekt von strafrechtlichen Ermittlungen in Schweden und den USA, bezeichnete die Freilassung der Informantin als „epischen Sieg“ bezeichnet. „Ich kann nicht abwarten, sie zu treffen“, twitterte er.

(APA/Reuters/AFP/dpa/red.)

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