Brüsseler Attentäter hatte Nagelbombe im Koffer

Ein mutmaßlicher Attentäter wurde am Zentral-Bahnhof in Brüssel erschossen. Seine Identität ist geklärt: Der Marokkaner lebte im berüchtigten Stadtteil Molenbeek.

Der Koffer eines Attentäters ging am Brüsseler Zentral-Bahnhof Flammen auf
Der Koffer eines Attentäters ging am Brüsseler Zentral-Bahnhof Flammen auf
Der Koffer eines Attentäters ging am Brüsseler Zentral-Bahnhof Flammen auf – (c) REUTERS (SOCIAL MEDIA)

Brüssel ist offensichtlich nur knapp einem folgenschweren Terroranschlag im Zentralbahnhof entgangen. Ein Mann habe in einer Gruppe von Reisenden einen mit Nägeln und Gasflaschen gefüllten Koffer zur Explosion bringen wollen, teilte die Staatsanwaltschaft am Mittwoch mit. Die Attacke wurde am Dienstagabend vereitelt. Der 36-jährige Angreifer wurde erschossen, es gibt keine Verletzten.

Bei dem Mann handelt es sich um einen Marokkaner aus dem Brüsseler Stadtteil Molenbeek, bestätigte die Staatsanwaltschaft. Die Gemeinde ist als Hochburg von Islamisten bekannt. Staatsanwalt Eric Van Der Sypt identifizierte den erschossenen 36-Jährigen am Mittwoch mit den Initialen O.Z. Dessen Wohnung in Molenbeek sei durchsucht worden. Dort wohnten auch Attentäter früherer Anschläge.

Die Bürgermeisterin von Molenbeek, Francoise Schepmans, sagte Reportern, der Attentäter sei der Polizei im Zusammenhang mit einem Drogenfall im vergangenen Jahr bekannt. Die Behörden machten zunächst keine Angaben zum Stand der Ermittlungen bezüglich etwaigen Mittätern oder Verbindungen des Mannes zu radikalen Organisationen. Auch bekannte sich keine Gruppe zu dem Angriff am Dienstagabend. Die Bauart des Sprengsatzes mit Nägeln und Gasflaschen ähnelte Medienberichten zufolge den Bomben, die 2016 bei den Anschlägen islamistischer Attentäter am Brüsseler Flughafen und in der U-Bahn verwendet wurden. Damals wurden 32 Menschen getötet.

Soldat erschoss Mann

Van Der Sypt erklärte, der Täter habe den Bahnhof um 20.39 Uhr betreten und sei auf eine Gruppe von Fahrgästen zugegangen. Dann habe er etwas gerufen und seinen Koffer gegriffen. Dabei sei eine Explosion teilweise ausgelöst worden. "Zum Glück wurde niemand verletzt." Der Koffer habe Feuer gefangen und sei ein zweites Mal zum Teil explodiert, während der Mann ohne das Gepäckstück zu den Gleisen lief. Danach sei der Attentäter wieder in die Halle zurückgerannt und mit den Worten "Allahu akbar" (Allah ist groß) auf einen Soldaten zugestürmt. Dieser habe ihn mit mehreren Schüssen getötet. Bei der Leiche sei kein Sprengstoffgürtel gefunden worden.

Belgiens Ministerpräsident Charles Michel dankte vor allem den Soldaten, die den mutmaßlichen Attentäter niedergeschossen hatten. In einer potenziell gefährlichen Situation hätten sie schnell und professionell reagiert, sagte Michel in Brüssel.

Michel bekräftigte, dass die Sicherheitsbehörden die Terroralarmstufe zunächst nicht anheben werden. Es gilt weiter Stufe drei von vier. Das bedeute, dass es keine Hinweise auf einen unmittelbar bevorstehenden Terrorakt gebe, sagte Michel. Er mahnte seine Landsleute, sich nicht einschüchtern zu lassen und ihre Freiheit im Alltag und ihren Lebensstil zu bewahren.

Trotzdem wurden die Sicherheitsdienste zu erhöhter Wachsamkeit aufgefordert, wie Michel bestätigte. Am Mittwochvormittag wurde vor dem Bahnhof von Namur im Süden des Landes ein verdächtiges Paket entdeckt und der Bahnverkehr deshalb zeitweise unterbrochen. Hintergründe und Details blieben zunächst offen.

Einsatz in Antwerpen - kein Zusammenhang

Auch am Bahnhof von Antwerpen gab es einen Polizeieinsatz, allerdings stand dieser nicht in Zusammenhang mit dem Vorfall in Brüssel. Das Bahnhofsviertel wurde "für eine Polizeikontrolle abgeriegelt", schrieb die Behörde im Kurzmitteilungsdienst Twitter kurz vor 11.00 Uhr. Gegen 12.20 Uhr wurde eine Straße in Bahnhofsnähe wieder freigegeben.

Brüssel war bereits mehrfach von Anschlägen erschüttert worden. Im März 2016 hatten mehreren Bomben islamistischer Attentäter am Flughafen und in einer Metrostation 32 Menschen getötet. Im Mai 2014 hatte im Jüdischen Museum ein französischer Islamist vier Menschen erschossen. Seitdem gehören nicht nur Polizisten, sondern auch mit Maschinenpistolen bewaffnete Militärpatrouillen zum Stadtbild.

Zuletzt hatten islamistische Attentäter Großbritannien und Frankreich angegriffen. In Paris gab es erst am Montag einen Anschlagsversuch auf Polizisten auf dem Prachtboulevard Champs-Elysees. In Großbritannien hatte es zuvor Anschläge in Manchester und London gegeben.

(APA/dpa/Reuters)

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