Humanitäre Lage

In Raqqa wird das Essen knapp

Helfer schlagen Alarm: Spitäler seien überlastet, die meisten Geschäfte geschlossen, die Gefahr von Seuchen sei groß.

(c) REUTERS

Damaskus. Beim Kampf um die IS-Hochburg Raqqa in Nordsyrien verschlechtert sich die Situation für Zivilisten nach Angaben von Hilfsorganisationen zusehends. „Patienten erzählen uns, dass eine große Anzahl an Kranken und Verwundeten mit begrenztem oder gar keinem Zugang zu medizinischer Betreuung in Raqqa eingesperrt sind“, sagte Vanessa Cramond, die zuständige Koordinatorin von Ärzte ohne Grenzen.

Zivilisten hätten kaum eine Chance, aus der Kampfzone zu entkommen. Das Nothilfebüro der Vereinten Nationen (OCHA) zeigte sich besorgt wegen der Sicherheit von Tausenden Zivilisten, die bei den Gefechten zwischen die Fronten geraten könnten. Die gesundheitliche Lage in der Stadt verschlechtere sich rasch; es gebe das Risiko von Epidemien wie Cholera oder Hepatitis.

Die meisten Geschäfte und Märkte in der Stadt sind geschlossen worden, berichtete vor ein paar Tagen die Hilfsorganisation Reach. In keinem Stadtteil sei mehr regelmäßig Brot zu finden. Die Preise für Lebensmittel seien explodiert und die Einwohner seien gezwungen, weniger zu essen oder Mahlzeiten ganz auszulassen, so Reach. Die Menschen seien zunehmend auf ihre Vorräte angewiesen.

Tausende Menschen eingeschlossen

OCHA schätzt die Zahl der betroffenen Zivilisten zwischen 20.000 und 50.000; das Bündnis Reach geht hingegen von nur noch 10.000 Eingeschlossenen aus. Mehr als 200.000 Menschen aus der Region seien in den vergangenen Monaten aus ihren Häusern vertrieben worden.

Auch die Aktivistengruppe Raqqa is Being Slaughtered Silently warnte kürzlich, dass die Bäckereien geschlossen seien, weil es kein Mehl oder keinen Kraftstoff gebe. „Die Leute können nichts im Kühlschrank lagern, weil es keinen Strom gibt. Sie können nicht kochen, weil es kein Wasser gibt“, sagte ein Aktivist der Gruppe.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.08.2017)

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