Trump in Peking: Spitzentreffen in Verbotener Stadt

Chinas Staatschef empfängt den US-Präsidenten im einstigen Kaiserpalast. Die Gespräche sind herzlich, doch das Verhältnis zwischen den mächtigen Politikern bleibt kompliziert.

Erinnerungsfoto aus Peking: Ehepaar Trump und Ehepaar Xi in der Verbotenen Stadt.
Erinnerungsfoto aus Peking: Ehepaar Trump und Ehepaar Xi in der Verbotenen Stadt.
Erinnerungsfoto aus Peking: Ehepaar Trump und Ehepaar Xi in der Verbotenen Stadt. – (c) REUTERS (JONATHAN ERNST)

Peking. Freundlich, aber nicht allzu herzlich, sich die Hand gebend, aber keine Küsschen – Chinas Staatspräsident, Xi Jinping, und seine Ehefrau, Peng Liyuan, haben Mittwochnachmittag den US-Präsidenten, Donald Trump, und seine Gattin, Melania, vor den historischen Bauwerken der Verbotenen Stadt empfangen, Pekings einstigem Kaiserpalast. Sie schritten gemeinsam durch das Tor der Höchsten Harmonie – ein symbolträchtiger Ort, wie ein Nachrichtensprecher des chinesischen Staatssenders CCTV betonte.

Diplomatenkreisen zufolge sollte nichts dem Zufall überlassen werden. Selbst die Begrüßung war bis ins kleinste Detail geplant. Daran haben sich beide Staatschefs und ihre Gemahlinnen am ersten Tag der zweitägigen Visite in China auch gehalten. Der formelle Teil mitsamt militärischen Ehren und Gesprächen in der Großen Halle des Volkes beginnt erst am Donnerstag. Dennoch beobachteten die mehr als 500 mitgereisten Journalisten und ihre wahrscheinlich doppelt so vielen anwesenden chinesischen Kollegen die erste Zusammenkunft der beiden mächtigsten Politiker der Welt gebannt. Sie wissen: Vor allem bei Trump zählt der erste Eindruck bei einem Besuch. Geht dabei etwas schief, könnte das die Stimmung der restlichen Visite beeinflussen.

 

Gute Geschäfte und Nordkorea

An Konfliktpotenzial mangelt es zwischen den beiden nicht. Vordergründig ist Trump zu Besuch, um die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt zu stärken. Das ist auch bitter nötig. Trump wettert seit Monaten gegen Chinas Überschuss im US-chinesischen Handel. Trump hat in der jüngeren Vergangenheit den Chinesen mehrfach vorgeworfen, durch billige Arbeitskräfte ganze Industrien in den USA zerstört zu haben. Zehntausende Jobs seien verloren gegangen. Zudem wirft er den Chinesen Technologiediebstahl vor, Industriespionage und Währungsmanipulation. Letzteres mache US-Importe teurer. Trump betonte vor seiner Abreise, er hoffe auf substanzielle Zugeständnisse Chinas. Die gibt es aus chinesischer Sicht schon. Bereits am ersten Tag des Peking-Besuchs haben Firmen aus den USA und China Geschäfte im Umfang von neun Milliarden Dollar abgeschlossen. 19 Verträge wurden im Beisein von US-Handelsminister Wilbur Ross unterschrieben. Und das sei nur „ein Aufwärmen“, betonte Chinas Vizepremier Wang Yang. „Die beste Show folgt morgen.“

Doch auch Peking ist verärgert. Man wirft den Amerikanern vor, gezielt Stimmung gegen die Volksrepublik zu machen. Neben China besucht Trump auf seiner insgesamt zwölftägigen Asien-Reise auch Vietnam und die Philippinen. In Japan und Südkorea ist er bereits gewesen. Mit diesen vier Ländern schmieden die USA schon seit einiger Zeit ein Bündnis, das Peking nicht einbezieht. „Diese Reise soll dazu dienen, Chinas politischen Einfluss zurückzudrängen“, zeigt sich Shi Yinhong, Direktor des Centre for American Studies an der Renmin University, überzeugt.

Weiter Uneinigkeit herrscht im Umgang mit Nordkorea. Begeistert ist zwar auch Peking nicht über die anhaltenden Atom- und Raketentests. China trägt inzwischen auch die Sanktionen gegen den einstigen Bruderstaat mit. Doch Peking setzt weiter auf Verhandlungen.

Trump hingegen wettert weiter gegen Nordkorea. „Die Welt kann ein Schurkenregime nicht tolerieren, das mit nuklearer Vernichtung droht.“ Er wandte sich direkt an Diktator Kim Jong-un: „Die Waffen, die Sie erwerben, machen Ihr Land nicht sicherer, sie bringen Ihr Regime in Gefahr.“ Trump war in seiner Wortwahl zumindest zahmer als in den Vorwochen, als er drohte, Nordkorea dem Erdboden gleichzumachen. Er signalisierte in Seoul sogar Bereitschaft für eine diplomatische Lösung.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.11.2017)

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