Erdogan will Grenze zwischen Griechenland und Türkei neu verhandeln

Der türkische Präsident stellt vor seinem Staatsbesuch in Griechenland den Vertrag von Lausanne in Frage. Das Abkommen sei nicht verhandelbar, reagiert Athen verärgert.

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Die türkisch-griechischen Beziehungen haben sich seit der Amtszeit von Präsident Tsipras verbessert. – Turkish President Tayyip Erdogan visits Greece Greek Prime Minister Alexis Tsipras welcomes Turkish President Tayyip Erdogan at the Maximos Mansion in Athens, Greece December 7, 2017. REUTERS/Alkis Konstantinidis

Viel Zeit für den Austausch von Höflichkeiten haben sich der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan und sein griechischer Kollege Prokopis Pavlopoulos bei ihrem Treffen am Donnerstag nicht genommen. Der erste Besuch eines türkischen Staatschefs in dem Nachbarland seit 65 Jahren offenbarte schnell alte Wunden. Nachdem Erdogan in der Presse eine Revision des Vertrages von Lausanne gefordert hatte, empfing ihn sein griechischer Kollege mit den Worten, das Abkommen von 1923 sei das "feste Fundament unserer Freundschaft". Es definiere das Territorium und die Souveränität Griechenlands, erklärte er. "Dieser Vertrag ist für uns nicht verhandelbar."

Erdogan nahm dies mit ernstem Gesicht auf und beharrte darauf, einige Details des Vertrages seien unklar. Zudem werde er nicht gerecht angewandt. Der Vertrag von Lausanne regelte nach dem griechisch-türkischen Krieg von 1919 bis 1922 unter anderem Grenzverläufe zwischen beiden Staaten und die Umsiedelung muslimischer und christlicher Minderheiten. Außerdem wurde der Schutz der verbliebenen Christen in der Türkei und der Muslime in Griechenland vereinbart.

Erdogan: Rechte der Türken diskriminiert

Erdogan forderte eine dauerhafte Lösung in der Ägäis, wo dicht vor der türkischen Küste liegende Inseln zu Griechenland gehören. Für die Türkei habe zudem der Schutz der ethnischen Türken in Griechenland einen hohen Stellenwert. Erdogan beklagte, dass sie im Norden Griechenlands diskriminiert würden. Ihr Status müsse verbessert werden. Nach seiner Darstellung können die Muslime im griechischen Grenzgebiet Westthrakien ihren geistlichen Führer nicht selbst wählen, während die christliche Gemeinschaft in der Türkei größere Freiheiten hat, ihre Patriarchen zu bestimmen. Dies sei ein Beweis dafür, dass der Vertrag von Lausanne nicht gerecht angewandt werde. Außerdem forderte Erdogan die Auslieferung mutmaßlicher türkischer Putschisten, die in Griechenland Asyl gesucht haben.

Gegen eine Revision des 94 Jahre alten Vertrages sprach sich auch Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras aus. Beide Staaten hätten aber Diskussionen über vertrauensbildende Maßnahmen und eine Verbesserung der Kommunikation zwischen ihnen vereinbart. Zugleich forderte er ein Ende der Luftraumverletzungen durch türkische Kampfflugzeuge in der Ägäis.

Symbolhaft für das angespannte Verhältnis beider Staaten begann der Staatsbesuch Erdogans schon in der Luft etwas holprig. Griechische Kampfflugzeuge drängten im griechischen Luftraum die türkischen Militärmaschinen ab, die Erdogans Flugzeug eskortierten. Dessen Pilot lehnte eine griechische Eskorte jedoch ab.

(APA/Reuters/Michele Kambas)

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