Nicht die erste Ausweisung

Hafen für Putin-Kritiker und Morde an Ex-Agenten: London und Moskau haben traditionell ein angespanntes bilaterales Verhältnis.

Boris Johnson mit Sergej Lawrow.
Boris Johnson mit Sergej Lawrow.
Boris Johnson mit Sergej Lawrow. – (c) imago/ITAR-TASS (Sergei Bobylev)

Moskau. Fünf Jahre lang hat kein britischer Außenminister Moskau besucht, bis Boris Johnson Ende Dezember bei seinem Kollegen Sergej Lawrow zu Gast war. Die Visite wird auf längere Zeit die letzte gewesen sein. Die Beziehungen zwischen Großbritannien und Russland sind schon seit einiger Zeit angespannt. In Großbritannien erhielten nicht nur missliebige Oligarchen Asyl – wie etwa der 2013 tot aufgefundene russische Oligarch und spätere Putin-Kritiker Boris Beresowskij. Auch der tschetschenische Oppositionspolitiker Achmed Zakajew hält sich im Land auf – Russland forderte bisher vergeblich seine Auslieferung.

Ein wichtiger Aspekt der Querelen zwischen London und Moskau ist der Fall Litwinenko. Nach einem Treffen mit den russischen Staatsbürgern Andrej Lugowoj und Dmitrij Kowtun stellte man bei dem Ex-Agenten 2006 eine Poloniumvergiftung fest. Auf dem Sterbebett bezichtigte Litwinenko die russische Führung, seine Ermordung geplant zu haben. London verlangte vergeblich die Auslieferung der mutmaßlichen Mörder. Lugowoj erhielt in seiner Heimat einen Sitz in der Duma. Großbritannien wies 2007 vier russische Diplomaten aus. In einem im Jahr 2016 veröffentlichten Bericht machte der britische Richter Robert Owen den Kreml indirekt für den Mord verantwortlich. Er halte es für „wahrscheinlich“, dass der russische Präsident, Wladimir Putin, und der damalige Geheimdienstchef, Nikolaj Patruschew, die Ermordung des Überläufers bewilligt hätten, schrieb der Brite Owen in seinem Report. Auch der Fall Sergej Magnitskij, bekannt geworden durch die Aktivitäten des amerikanisch-britischen Geschäftsmannes Bill Browder, belastete zuletzt die bilateralen Beziehungen.

Die Ausweisung von Diplomaten hat indes Tradition. Der britische Geheimdienst organisierte 1985 die Flucht des ranghohen KGB-Agenten Oleg Gordijewski in den Westen. 25 Briten mussten Moskau verlassen. London wies 31sowjetische Diplomaten aus. Im Jahr 1971 entdeckte Großbritannien ein großes Spionagenetzwerk im eigenen Land und schickte deshalb 105 sowjetische Diplomaten zurück. Die Antwort: 18 Briten mussten Moskau verlassen. (ag./som)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.03.2018)

Die Presse - Testabo

Testen Sie jetzt „Die Presse“ und „Die Presse am Sonntag“ sowie das „Presse“-ePaper und sämtliche digitale premium‑Inhalte 3 Wochen kostenlos und unverbindlich.

Jetzt 3 Wochen testen
Meistgekauft
    Meistgelesen
      Kommentar zu Artikel:

      Nicht die erste Ausweisung

      Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
      Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.