"Terrorakt" in Frankreich beendet: Polizei tötet Geiselnehmer in Supermarkt

Der Marokkaner soll zuvor mindestens drei Menschen getötet und mehrere weitere verletzt haben. IS-Jihadistenmiliz reklamierte Anschlag für sich.

Polizisten nahe des Tatortes in Trèbes im Süden Frankreichs
Polizisten nahe des Tatortes in Trèbes im Süden Frankreichs
Polizisten nahe des Tatortes in Trèbes im Süden Frankreichs – REUTERS

Ein Geiselnehmer in Südfrankreich hat nach Angaben der Ermittler drei Menschen getötet und zwei weitere verletzt. Der bekennende Islamist habe zunächst in Carcassonne ein Auto gestohlen und dabei einen Insassen getötet und den Fahrer verletzt, hieß es am Freitag. Kurze Zeit später habe er einen Polizisten angeschossen und danach zwei Menschen bei der Geiselnahme in dem Supermarkt in Trebes erschossen. Am Freitagnachmittag entschieden sich die Einsatzkräfte zum Zugriff. Laut Ermittlern wurde der Täter getötet. Eine Spezialeinheit der Gendarmerie habe den Mann beim Sturm auf den Supermarkt unschädlich gemacht, hieß es am Freitag.

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat die Geiselnahme in Frankreich für sich reklamiert. Der Angreifer sei ein "Soldat des Islamischen Staates", meldete das IS-Sprachrohr Amaq am Freitag.

Wie der Radiosender France Info meldete, war der Mann den Geheimdiensten bekannt und in einer Datenbank zur Bekämpfung von Terrorismus und Radikalisierung verzeichnet. Die südfranzösische Zeitung "La Depeche du Midi" berichtete darüber hinaus, der Täter sei ein Marokkaner im Alter zwischen 30 und 40 Jahren und anhand des Nummernschildes seines Autos identifiziert worden. Den Wagen fanden die Fahnder auf dem Parkplatz des Supermarktes, in dem der Mann am Freitag Geiseln nahm.

Zudem soll der mutmaßliche Täter für Schüsse auf einen Polizisten im rund zehn Kilometer entfernten Carcassonne verantwortlich sein, der an der Schulter verletzt wurde. In Carcassonne wurde der Polizist verletzt, als der Schütze das Feuer auf Beamte eröffnete, die gerade vom Jogging zurückkamen. Das bestätigte ein Polizeisprecher. Das Autos des Schützen sei auf dem Parkplatz des Supermarktes entdeckt worden, berichtete die französische Nachrichtenagentur AFP am Freitag unter Berufung auf Ermittlerkreise.

"Allahu Akbar"

Ein Augenzeuge sagte aus, der Täter habe "Allahu Akbar" (Gott ist groß) gerufen, als er den Supermarkt der Kette "Super U" gegen 11.15 Uhr am Freitagvormittag überfiel. Er sei mit Messern, einer Schusswaffe und Handgranaten bewaffnet gewesen. Laut Medien forderte der Geiselnehmer die Freilassung des Terrorverdächtigen Salah Abdeslam. Das meldete der Sender BFMTV am Freitag ohne Angabe einer klaren Quelle. Eine offizielle Bestätigung gab es dafür zunächst nicht. Der französische Staatsbürger Abdeslam soll zu der IS-Terrorzelle gehören, die die schweren Anschläge in Paris im November 2015 und in Brüssel im März 2016 verübte. Er sitzt in Frankreich in Untersuchungshaft.

Der französische Regierungschef Edouard Philippe hatte von einer "ernsten Situation" gesprochen. Alle Informationen ließen "darauf schließen, dass es sich um eine terroristische Tat handelt". Das Innenministerium hatte auf Twitter dazu aufgerufen, den Bereich um den Supermarkt "Super U" in dem 5.500-Einwohner-Ort zu meiden. Laut französischen Medien wurde das Gebiet abgeriegelt. "Ein großer Teil der Mitarbeiter und der Kunden des Super U konnten fliehen", zitierte AFP eine namentlich nicht genannte informierte Person. Ein Beamter der Gendarmerie sei im Kontakt mit dem Geiselnehmer gewesen. Innenminister Gerard Collomb machte sich auf den Weg nach Südfrankreich.

Frankreich war in den vergangenen Jahren mehrfach Ziel islamistischer Anschläge. Vor allem die Attacken von Paris 2015 und Nizza 2016 hatten das Land schwer erschüttert. Die Behörden sprechen regelmäßig von einer weiterhin hohen Gefahr. Bei der letzten Attacke in Marseille waren am 1. Oktober zwei Menschen getötet worden.

 

 

(ag./red.)

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