Donald Trumps „Bon Ami“ aus Paris

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron ist trotz zahlreicher politischer Differenzen eng an die Seite des US-Präsidenten gerückt.

Nach den Militärschlägen in Syrien versammelte Emmanuel Macron sein Team im Krisenzentrum des Élysée-Palasts. Später absolvierte er einen Soloauftritt im Fernsehen.
Nach den Militärschlägen in Syrien versammelte Emmanuel Macron sein Team im Krisenzentrum des Élysée-Palasts. Später absolvierte er einen Soloauftritt im Fernsehen.
Nach den Militärschlägen in Syrien versammelte Emmanuel Macron sein Team im Krisenzentrum des Élysée-Palasts. Später absolvierte er einen Soloauftritt im Fernsehen. – (c) APA/AFP/POOL/FRANCOIS GUILLOT (FRANCOIS GUILLOT)

Wien/Paris. Der Staatschef überließ erst einmal seinen Ministern den Vortritt. Außenminister Jean-Yves Le Drian und Verteidigungsministerin Florence Parly erläuterten den Landsleuten am Wochenende zunächst den militärischen Erfolg Frankreichs innerhalb der Allianz mit den USA und Großbritannien bei ihrer Strafaktion gegen das Assad-Regime, der ersten Militäraktion unter der Präsidentschaft Emmanuel Macrons. „Das Ziel ist erreicht“, lautete ihr Fazit.

Macron schickte den 70-jährigen Bretonen Le Drian, den früheren Verteidigungsminister, auch vor, um eine diplomatische Initiative anzukündigen, die den Effekt der westlichen Geschlossenheit im Zuge der Syrien-Krise nützen soll. Vom Präsidenten tauchte vorerst nur ein Bild aus dem Krisenzentrum im Keller des Élysée-Palasts auf, das ihn Samstagfrüh im Kreis der Generäle und Minister nach der Militäraktion zeigt.

 

Die große internationale Bühne

Am Sonntagabend sollte Macron die Bühne in einem TV-Interview, in dem er einen großen Bogen spannte, indessen ganz für sich allein haben – eine Solo-Show nach dem Geschmack des 40-Jährigen, der in den kommenden Wochen mit Auftritten in aller Welt sein einjähriges Amtsjubiläum begehen wird. Am Dienstag hat er sich für eine Rede im EU-Parlament angesagt, am Donnerstag zu einem Abendessen bei Angela Merkel im Kanzleramt in Berlin.

Für Macrons Staatsbesuch in den USA in der kommenden Woche hat sich US-Präsident Donald Trump etwas Besonderes einfallen lassen, um sich für die Einladung zur Militärparade am französischen Nationalfeiertag im Vorjahr in Paris zu revanchieren. Erst wird er ein Dinner in Mount Vernon ausrichten, dem früheren Landsitz George Washingtons unweit der Hauptstadt, und schließlich ein Staatsbankett im Weißen Haus. Und schließlich reist der französische Präsident Ende Mai nach Moskau – auch dies eine Gegeneinladung nach dem Empfang für Wladimir Putin in Versailles. Macron könnte dabei in die Rolle des Emissärs zwischen Trump und Putin schlüpfen, als Unterhändler zwischen dem Westen und Russland – gerade auch in der Syrien-Frage.

Momentan kämpft Frankreichs Präsident im Land gegen eine Protest- und Streikwelle an, die sich gegen seine Reformagenda bei den Staatsbahnen, im Arbeitsrecht und im Sozialwesen stemmt. Dass Krawalle Paris erzittern lassen; dass eine Abrechnung François Hollandes, seines glücklosen Vorgängers und Mentors, gerade im Land Furore macht – all dies sollte in dem zweiten, großen TV-Interview innerhalb von vier Tagen zur Sprache kommen. Es ging um eine innen- wie außenpolitische Bilanz rund ein Jahr nach seinem sensationellen Triumph.

 

Moralischer Vorreiter

Doch wie im TV-Gespräch in einer Volksschule in der Normandie geriert sich der Präsident – durchaus in der Tradition Giscard d'Estaings oder François Mitterrands – als moralische Instanz. Macron präsentierte sich im Ambiente einer Schulklasse als Vorreiter gegen den Einsatz von Chemiewaffen, dessen Anwendung durch die syrischen Regierungstruppen für ihn erwiesen war.

Wie Nicolas Sarkozy im Libyen-Krieg, wie Hollande im Kampf gegen die IS-Milizen war auch Macron bereit, ein gewisses Risiko einzugehen, um Frankreichs Reputation als Militärmacht aufzupolieren. Nach dem Brexit-Votum Londons betrachtet er sich als dynamischer Führer in der EU und reklamiert eine Führungsrolle neben Merkel, die sich allerdings im Lauf der Jahre abgenützt hat.

Sein Impetus schlägt sich in der Außenpolitik nieder. Macron zog – wie Barack Obama vor fünf Jahren – eine „rote Linie“ gegenüber dem Assad-Regime. Er hält sich konsequent daran und drängt Putin sowohl in öffentlichen Appellen als in Telefonaten, Druck auf Diktator Bashar al-Assad auszuüben, um einen neuen Anlauf für eine Friedenslösung zu starten. Alle Versuche sind bisher im Sand verlaufen – in Genf, in Wien und in der kasachischen Hauptstadt Astana, wo sich Putin mit seinen Alliierten in Damaskus und Teheran abzustimmen pflegt.

 

Ungewöhnliches Duo

Telefonisch akkordierte sich der französische Präsident in den vergangenen Tagen täglich mit US-Präsident Donald Trump und Theresa May, der britischen Premierministerin, über Ausmaß und Zeitpunkt der Militäroperation. Trotz zahlreicher Differenzen mit Trump in Fragen der Klimapolitik oder des Freihandels hat der US-Präsident Sympathien für seinen „Bel Ami“ aus Paris entwickelt, der ihn mit Charme um den Finger zu wickeln versteht. Ein ungewöhnliches Duo: der populistische Immobilienmogul mit Entertainerqualitäten, der erst im Pensionsalter die Politik für sich entdeckte, und der Absolvent elitärer Kaderschmieden, der eine neue Bewegung gründete, um im Alter von 39 Jahren das höchste Staatsamt zu erobern.

Diese Affinität trug Macron in der Heimat einige Attribute ein – wovon „Juniorpartner“ der freundlichste ist. Der rechtsextreme Front National apostrophiert Macron neuerdings als „Trumps Vasall“. Es erinnert ein wenig an den Beinamen Tony Blairs im Irak-Krieg, den ihm die britische Boulevardpresse verpasste: „Bushs Pudel“. Mit dem britischen Ex-Premier teilt Macron Ambition und Aplomb, die Vorliebe für den großen Auftritt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.04.2018)

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