Van der Bellen auf Israel-Feier: „Hitler war Österreicher“

Israel feiert den 70. Jahrestag der Staatsgründung: Bundespräsident Van der Bellen bekennt sich zur Österreichs Verantwortung für die NS-Verbrechen.

Israel feiert 70 Stunden lang - unter anderem mit einer Flushow (im Bild Tel Aviv). Auch in Österreich gab es eine Feier, bei der der österreichische Bundespräsident Alexander Van der Bellen sprach.
Israel feiert 70 Stunden lang - unter anderem mit einer Flushow (im Bild Tel Aviv). Auch in Österreich gab es eine Feier, bei der der österreichische Bundespräsident Alexander Van der Bellen sprach.
Israel feiert 70 Stunden lang - unter anderem mit einer Flushow (im Bild Tel Aviv). Auch in Österreich gab es eine Feier, bei der der österreichische Bundespräsident Alexander Van der Bellen sprach. – REUTERS

Wien. Es war eine besondere Geste: Bundespräsident Alexander Van der Bellen ließ es sich nicht nehmen, im Wiener Palais Liechtenstein beim Empfang zum 70. Jahrestag der Gründung Israels eine Rede zu halten. Darin gratulierte er dem jüdischen Staat nicht nur zu dessen „phänomenalem wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Erfolg“, sondern legte auch ein Bekenntnis zur österreichischen Mitverantwortung an der Shoa, dem Völkermord der Nationalsozialisten an den Juden. Verkürzt lasse sich diese Mitverantwortung in einem Satz zusammenfassen: „Hitler war Österreicher.“ Unter den Tätern seien viele Österreicher gewesen, sagte der Präsident. „Ich verneige mich vor den Opfern des Nationalsozialismus.“

Die israelische Botschafterin in Österreich, Talya Lador-Fresher, sagte: Obwohl Israel seit seiner Entstehung von Konflikten begleitet werde, sei es ein "demokratischer, moderner Staat mit einer bunten und dynamischen Gesellschaft, der seine Stärke und Einheit aus der Vielfalt bezieht".

In Israel war kam die Regierung am Freitag zu einer festlichen Kabinettssitzung in Tel Aviv zusammen. Begleitet von massiven Protesten der Palästinenser an der Grenze um Gaza-Streifen. Der Jahrestag der Staatsgründung wurde schon am Donnerstag groß gefeiert mit einer landesweiten Flugschau. In der Früh überflogen Flugzeuge und Kampfhubschrauber den Amtssitz des Präsidenten Reuven Rivlin in Jerusalem. Dutzende Jets, darunter auch Kampfflieger des Typs F-16, donnerten dann im Verlauf des Tages über rund 100 Städte und Gemeinden in dem Mittelmeerland.

Österreichs Luftwaffe beteiligte sich an Feier

Zum ersten Mal nahmen auch Luftwaffen anderer Länder an der traditionellen Flugshow teil. Griechenland, Italien, Österreich, Kanada, Großbritannien und Polen hatten Teams geschickt. Österreich beteiligte sich mit einer C-130 Hercules, die über dem Strand von Tel Aviv flog. Der Kommandant der österreichischen Luftstreitkräfte, Generalmajor Karl Gruber, war selbst in der Maschine zu den Feierlichkeiten nach Israel geflogen, sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Michael Bauer, gegenüber der APA. Gruber betonte in einer Videobotschaft, dass sich Österreich wegen der Einladung "sehr geehrt" fühle. Er gratulierte dem Staat Israel auf Englisch und Hebräisch zu seinem 70-jährigen Bestehen.

Die Feierlichkeiten im jüdischen Staat, die am Mittwochabend begannen, sollen 70 Stunden dauern und bis Samstagabend gehen. Während des Sabbats ab Freitagabend gibt es eine Ruhepause. Der Staat Israel wurde am 14. Mai 1948 ausgerufen. Staatsgründer David Ben Gurion verlas in Tel Aviv die Unabhängigkeitserklärung. Israel feiert sein 70. Jubiläum allerdings nach dem hebräischen Kalender am 19. April.

In Israel leben nach aktuellen Angaben des Zentralen Israelischen Statistikbüros 8,8 Millionen Menschen. 75 Prozent von ihnen sind Juden und rund 20 Prozent sind Araber. (Red./Ag.)
[OEA6J]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.04.2018)

Die Presse - Testabo

Testen Sie jetzt „Die Presse“ und „Die Presse am Sonntag“ sowie das „Presse“-ePaper und sämtliche digitale premium‑Inhalte 3 Wochen kostenlos und unverbindlich.

Jetzt 3 Wochen testen
Meistgekauft
    Meistgelesen
      Kommentar zu Artikel:

      Van der Bellen auf Israel-Feier: „Hitler war Österreicher“

      Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
      Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.