Pressefreiheit hat sich in keiner Weltregion so verschlechtert wie in Europa

Gleich vier der fünf Länder, in denen sich die Situation für Journalisten verschlechtert hat, liegen in Europa, schreibt Reporter ohne Grenzen. Auch für Österreich gibt es eine Rüge.

Der slowakische Aufdeckerjournalist Jan Kuciak wurde ermordet.
Der slowakische Aufdeckerjournalist Jan Kuciak wurde ermordet.
Der slowakische Aufdeckerjournalist Jan Kuciak wurde ermordet. – APA/AFP/VLADIMIR SIMICEK

In keiner Region hat sich die Pressefreiheit nach Angaben von Reporter ohne Grenzen (ROG) im vergangenen Jahr so verschlechtert wie in Europa. Dort seien Journalisten zunehmend medienfeindlicher Hetze durch Regierungen oder führende Politiker ausgesetzt, was oft den Boden für Gewalt gegen Medienvertreter bereite, teilte die Organisation mit.

In der am Mittwoch von ihr veröffentlichten Rangliste der Pressefreiheit 2018 liegen vier der fünf Länder, in denen sich die Pressefreiheit am stärksten verschlechterte, auf dem europäischen Kontinent.

In den EU-Staaten Malta (Verschlechterung um 18 Plätze auf Rang 85 von 160), Tschechien (um 11 Ränge verschlechtert auf Platz 34) und Slowakei (um 10 Ränge verschlechtert auf Platz 27.) sowie in Serbien (um 10 Ränge verschlechtert auf Platz 76) seien Journalisten zunehmend medienfeindlicher Hetze und Übergriffen ausgesetzt, beklagte Reporter ohne Grenzen. Zudem würden in diesen Ländern die Freiräume für kritische Berichterstattung durch die Konzentration der Besitzverhältnisse der Medien eingeschränkt. Dies zerstöre die Grundsätze einer demokratischen Gesellschaft zerstören und sei in Zeiten des populistischen Vormarschs besonders gefährlich, erklärte ROG-Vorstand Katja Gloger.

ROG kritisiert Angriffe durch FPÖ

Österreich bleibt stabil auf dem Platz 11. Doch auch hierzulande seien Verschlechterungen zu beobachten, schreibt ROG. Gemessen nach Punkten habe sich die Situation für Journalisten in Österreich seit 2015 jährlich verschlechtert - insgesamt von 10,85 2015 auf 14,04 Punkte 2017.

Diese Verschlechterung erkläre sich durch direkte Angriffe auf Journalistinnen und Journalisten vor allem durch Politikerinnen und Politiker der FPÖ. „Attacken nicht nur gegen Medien an sich, sondern gegen einzelne Journalistinnen und Journalisten persönlich haben zugenommen, eine sorgenvolle Entwicklung, gerade in Zusammenhang mit dem Vormarsch autoritärer Figuren in Österreich und seinen Nachbarländern“, sagt Rubina Möhring, Präsidentin von Reporter ohne Grenzen in Österreich in einer Stellungnahme. Das habe sich auch auf den verschlechterten Score ausgewirkt. Damit werde versucht, Journalisten einzuschüchtern. "Ein Vorgehen, das einer Demokratie nicht angemessen ist, " sagt Möhring.

Syrien ist das gefährlichste Land für Journalisten

In den EU-Staaten Malta, Tschechien und Slowakei sowie in Serbien seien Journalisten zunehmend medienfeindlicher Hetze und Übergriffen ausgesetzt, beklagte Reporter ohne Grenzen. Zudem würden in diesen Ländern die Freiräume für kritische Berichterstattung durch die Konzentration der Besitzverhältnisse der Medien eingeschränkt. Dies zerstöre die Grundsätze einer demokratischen Gesellschaft zerstören und sei in Zeiten des populistischen Vormarschs besonders gefährlich, erklärte ROG-Vorstand Katja Gloger.

Reporter ohne Grenzen

Auch in langjährigen Demokratien wie den USA werde die Presse gezielt beschimpft. Am freiesten seien die Medien in Norwegen, gefolgt von weiteren skandinavischen Ländern und den Niederlanden. Am schlechtesten sei die Situation in Nordkorea und Eritrea, wo es keine unabhängige Berichterstattung gibt. Syrien bleibe für Journalisten das gefährlichste Land. 13 Journalisten seien dort 2017 im Zusammenhang mit ihrer Arbeit getötet worden, über 20 weitere würden noch von bewaffneten Gruppen festgehalten.

Die Rangliste vergleicht die Situation der Medien im vergangenen Jahr in 180 Staaten. Grundlage sind ein Fragebogen zu journalistischer Arbeit und Zahlen von Übergriffen und Haftstrafen gegen Journalisten.

(APA/Reuters/red.)

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