Historischer Korea-Gipfel: Beide Länder wollen die "vollständige nukleare Abrüstung"

Als erster nordkoreanischer Machthaber seit Kriegsende vor 65 Jahren hat Kim Jong-un südkoreanischen Boden betreten. Kim Jong-un und Südkoreas Präsident Moon Jae-in haben auch über die atomare Abrüstung gesprochen.

Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un und Südkoreas Präsident Moon Jae-in (l.)
Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un und Südkoreas Präsident Moon Jae-in (l.)
Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un und Südkoreas Präsident Moon Jae-in (l.) – Reuters

Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un will ein "neues Kapitel" in den Beziehungen zu Südkorea aufschlagen. Zum Beginn des historischen Gipfels mit Präsident Moon Jae-in am Freitag im Grenzdorf Panmunjom sagte er, dass er in "freimütigen Diskussionen" eine "bedeutende Vereinbarung" erreichen wolle. Wenige Stunden später schien zumindest eine historische Ankündigung erreicht: Beide Länder wollen den offiziell noch geltenden Kriegszustand auf der Halbinsel bis zum Ende dieses Jahres beenden.

Außerdem streben sie gemeinsam eine "vollständige nukleare Abrüstung" an, wie Moon Jae-in und Kim Jong-un in einer gemeinsamen Stellungnahme am Rande ihres Gipfel-Treffens am Freitag mitteilten. Alle feindlichen Aktivitäten "zu Land, zu Wasser und in der Luft" würden eingestellt. Im Herbst will Moon Kim in der nordkoreanische Hauptstadt Pjöngjang besuchen. 

"Wir versuchen, unsere Differenzen zu verringern", hieß es vor dem Treffen. Als Zeichen des Friedens pflanzten beide Männer im Rahmen ihres Treffens in Panmunjom einen Kiefernbaum.

Worauf sich die Koreas bisher geeinigt haben

- Der Dialog zwischen beiden Ländern soll auf mehreren Ebenen fortgesetzt, Vereinbarungen implementiert werden. Das betrifft beispielsweise die Bereiche Visa, wirtschaftliche Kooperation. Auch auf zivilgesellschaftlicher Ebene soll die Zusammenarbeit ausgebaut werden.

- In der Kaesong-Industriezone soll ein Büro mit Mitarbeitern beider Länder aufgebaut werden.

- Gemeinsame Teilnahme an Sportveranstaltungen wie bei den Asian Games 2018.

- Beide Länder wollen gemeinsam ein Rotes Kreuz aufbauen. Die Organisation soll sich um die Zusammenführung getrennter Familien kümmern. Das erste Familientreffen ist bereits für den 15. August geplant.

- Die verbindende Infrastruktur wie etwa das Bahnnetz soll ausgebaut werden.

- Beide Länder wollen feindliche Akte ab sofort einstellen, das betrifft das Festland, die See und die Luft.

- Die demilitarisierte Zone soll zu einer Friedenszone umgewandelt werden. Die Zusammenarbeit auf militärischer Ebene soll ausgebaut werden.

 

Als erster nordkoreanischer Staatschef seit dem Ende des Korea-Krieges (1950-53) hatte Kim zuvor die Grenze überquert und südkoreanischen Boden betreten. Der Machthaber wurde direkt an der Demarkationslinie in der gemeinsamen Sicherheitszone von Moon Jae-in empfangen. Beide Staatschefs begrüßten sich herzlich mit Handschlag und stellten sich den Fotografen.

Erstmals auch Moon auf nordkoreanischem Boden

Spontan forderte Kim den südkoreanischen Präsidenten auf, seinerseits die Betonschwelle im Boden, die die Linie kennzeichnet, auch nach Norden zu überqueren. Moon betrat damit erstmals nordkoreanischen Boden, was vorher nicht erwartet worden war. Zwischen den blauen Baracken, die beide Seiten nach dem Krieg für Besprechungen nutzten, markiert die betonierte Schwelle zwischen dem Sandfeld im Norden und dem Kiesbett im Süden die Demarkationslinie.

Eintrag von Kim Jong-un im Gästebuch
Eintrag von Kim Jong-un im Gästebuch
Eintrag von Kim Jong-un im Gästebuch – APA/AFP/Korea Summit Press Pool/

Im Mittelpunkt des mit Spannung und großen Hoffnungen erwarteten Gipfels stehen der Streit um Nordkoreas Atomwaffen- und Raketenprogramm und eine langfristige Friedenslösung für die koreanische Halbinsel. "Mit dem Moment, in dem der Vorsitzende Kim die militärische Demarkationslinie überschritten hat, wurde Panmunjom zu einem Symbol des Friedens, nicht der Teilung", sagte Moon zu Beginn ihrer Gespräche, der live im Fernsehen übertragen wurde.

Kim äußerte seine Hoffnung auf "gute Ergebnisse": "Wir können eine bedeutende Vereinbarung erreichen, aber wichtig ist, dass sie umgesetzt wird. Wenn nicht, werden wir unser Volk enttäuschen." Beide dürften ihr Volk nicht enttäuschten. Nach einer ersten Gesprächsrunde kehrte Kim über Mittag Ortszeit zum Essen und für eine Pause wieder auf nordkoreanische Seite zurück. Die eintägigen Gespräche sollten am Nachmittag fortgesetzt werden und am Abend mit einem Bankett enden.

Die erste Begegnung zwischen Kim und Moon ist nach 2000 und 2007 in Pjöngjang der dritte innerkoreanische Gipfel, aber der erste seit der Eskalation der Spannungen über die Atom- und Raketentests im vergangenen Jahr. Er wird auch das geplante Treffen zwischen Nordkoreas Machthaber und US-Präsident Donald Trump Ende Mai oder Anfang Juni vorbereiten. Ort und Termin sind noch nicht bekannt.

Korea: Historisches Treffen: Im Angesicht des Feindes

USA: "Wir sind hoffnungsvoll"

Die USA setzen auch große Erwartungen in den Korea-Gipfel. "Wir sind hoffnungsvoll, dass die Gespräche Fortschritt in Richtung einer Zukunft von Frieden und Wohlstand für die gesamte koreanische Halbinsel erzielen", teilte das Weiße Haus mit. Die USA schätzten die enge Zusammenarbeit mit ihrem engen Verbündeten Südkorea und erwarteten, robuste Diskussionen in Vorbereitung auf das Treffen von Trump mit Kim in den kommenden Wochen fortzusetzen.

Moon empfing den Machthaber sogar mit militärischen Ehren. Beide marschierten an einer Ehrengarde von 300 Soldaten aller drei Waffengattungen der südkoreanischen Streitkräfte vorbei. Danach trug sich Kim ins Gästebuch des südkoreanischen "Friedenshauses" in Panmunjom ein, wo das eintägige Treffen stattfand. Er lud Südkoreas Präsidenten erneut zu einem Besuch in Pjöngjang ein. Mit welcher Art von Vereinbarung die Gespräche zu Ende gehen werden, war unklar. "Es hängt wirklich vom Verlauf der Diskussionen ab", sagte der Sprecher Moons. Die USA und Südkorea fordern ein klares Bekenntnis Kims zur Denuklearisierung, womit sie eine baldige, überprüfbare und nicht umkehrbare Beseitigung der Atomwaffen meinen.

Nordkoreas Machthaber hatte aber erst am vergangenen Freitag, als er überraschend die Einstellung seiner Atom- und Raketentests verkündet hatte, die Vollendung des Atomprogramms als "großen Sieg" gefeiert. Er sprach nur allgemein davon, dass Nordkorea mit diesem Teststopp zur "weltweiten Abrüstung" beitrage. Experten sind deswegen skeptisch, ob er seine nuklearen Waffen aufgeben will. Sie sehen seinen Willen zur Beseitigung seiner Atomwaffen eher im Rahmen der globalen Abrüstungsbemühungen aller Nuklearmächte.

Nordkoreas Machthaber wurde begleitet vom protokollarischen Staatsoberhaupt Kim Yong-nam und seiner Schwester Kim Yo-jong, die praktisch als seine Stabschefin fungiert. Beide hatten schon an den Winterspielen teilgenommen. Die enge Vertraute Kims nahm auch an dem Anfangsgespräch mit Moon in kleiner Runde teil. Auch Kims Frau Ri Sol-ju soll zum Gipfeltreffen dazustoßen.

(APA/dpa)

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