Nordkorea: Angebote und Drohungen aus dem Weißen Haus

US-Präsident Trump verspricht Diktator Kim Jong-un „Reichtum“ und „Glück“, sollte dieser auf einen Deal eingehen. Wenn nicht, könnte Kim so enden wie Gaddafi. Nun schaltet sich Südkoreas Präsident als Vermittler ein.

Donald Trump und Kim Jong-un.
Donald Trump und Kim Jong-un.
Donald Trump und Kim Jong-un. – (c) APA/AFP/KCNA VIA KNS/MANDEL NGAN (MANDEL NGAN)

Tokio. Nachdem Nordkoreas Machthaber, Kim Jong-un, mit dem Platzen des Singapur-Treffens mit US-Präsident Donald Trump gedroht hat, kommt wieder Bewegung in die Gipfeldiplomatie. Südkoreas Staatschef, Moon Jae-in, will sich aktiv als Vermittler zwischen Kim und Trump einschalten, teilte das Seouler Präsidialamt mit. Er wolle Kim direkt über die Absichten der USA informieren. Dazu könnte die kürzlich installierte Hotline zwischen beiden Staatschefs erstmals genutzt werden, berichten südkoreanische Medien am Freitag. Moon reist am Dienstag nach Washington, wo er Trump über die Position Nordkoreas in Kenntnis setzen will.

Aus dem Blauen Haus in Seoul – dem Amtssitz des Präsidenten – verlautet, Südkorea habe ein „sehr vitales“ Interesse am Zustandekommen des Singapur-Gipfels. Präsident Moon werde alles dafür tun, dass dieses Treffen zustande kommt und mit einem für beide Seiten akzeptablen Ergebnis ausgeht. Er mache sich Sorgen, dass im schlimmsten Fall auch die Ergebnisse des innerkoreanischen Panmunjom-Gipfels von Ende April in Frage gestellt würden, berichtet die Zeitung „Korea Herald“. Was dort vereinbart wurde, muss unbedingt umgesetzt werden, sagte ein Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates in Seoul. Dabei geht es vor allem um den Abschluss eines Friedensvertrages zwischen beiden koreanischen Staaten.

Derzeit steht der Singapur-Gipfel auf der Kippe, weil der Norden einem „einseitigen“ Atom-Verzicht nicht zustimmen will und die Militärmanöver der USA und des Südens als „Provokation“ empfindet.

 

„Kim wird sein Land regieren“

Unterdessen haben auch die USA ihre Verhandlungsposition weiter konkretisiert. Trump versprach Kim Jong-un, dass dieser im Fall einer Kooperation als Nordkoreas Führer an der Macht bleiben könne und sein Land ökonomisch profitieren werde. Mit den Worten „er wird in seinem Land bleiben und sein Land regieren, das dann sehr reich würde“, trat Trump der nordkoreanischen Vermutung entgegen, das Weiße Haus strebe einen Regimewechsel in Pjöngjang an. Im Gegenteil werde es seitens der USA weitreichende Sicherheitsgarantien geben. „Wenn wir einen Deal machen, dann wird Kim Jong-un sehr glücklich sein.“

Allerdings verband Trump dieses Angebot auch mit der fast unverhüllten Drohung. Sollte Nordkoreas Führung nicht einlenken, werde sie so enden wie der libysche Machthaber, Muammar al-Gaddafi, der 2011 gestürzt und von Rebellen ermordet wurde. „Wir haben Libyen vernichtend geschlagen“, sagte Trump bei einem Treffen mit Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg in Washington. „Dieses Vorbild würde sehr wahrscheinlich greifen, wenn wir nicht zu einem Deal kommen.“

Trotz dieser Einschüchterungsgebärde rückt der US-Präsident damit zumindest ein wenig von der harten Haltung seines Sicherheitsberaters, John Bolton, ab. Der als „Falke“ geltende Bolton hatte erklärt, Nordkorea müsse sein Atomwaffen- und Raketenarsenal sofort an die USA oder andere Staaten übergeben.

 

Norden hat sechs Monate Zeit

Wie die japanische Zeitung „Asahi Shimbun“ berichtet, soll US-Außenminister Mike Pompeo Kim Jong-un aufgefordert haben, binnen sechs Monaten unter anderen eine Interkontinentalrakete sowie mehrere Atomsprengköpfe an die USA zu übergeben. Das Kriegsgerät soll in Knoxville, US-Bundesstaat Tennessee, professionell entsorgt werden.

Ob Kim und Genossen sich auf diese „Zuckerbrot und Peitsche“-Offerte einlassen werden, ist offen. Das hängt sicher auch von der Vermittlung des südkoreanischen Präsidenten Moon ab.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.05.2018)

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