Donald Trump irritiert seine Alliierten in Ostasien

Seoul wurde über den Plan, Militärübungen mit Südkorea zu stoppen, nicht informiert. Japan kritisiert den Vorstoß.

Lässt sich als großer Sieger feiern: Diktator Kim Jong-un.
Lässt sich als großer Sieger feiern: Diktator Kim Jong-un.
Lässt sich als großer Sieger feiern: Diktator Kim Jong-un. – REUTERS

Tokio. Euphorisch feiern Nordkoreas Staatsmedien nach dem Singapur-Gipfel das Zurückweichen Donald Trumps. Die offizielle Parteizeitung Ronbon Shimbun nennt die Begegnung das „Treffen des Jahrhunderts“: Der US-Präsident sei in wichtigen Fragen auf Forderungen Nordkoreas eingegangen, berichtet die amtliche Nachrichtenagentur KCNA. Unter anderem habe er die Lockerung der Sanktionen und den Abzug Tausender der 32.000 in Südkorea stationierten US-Soldaten in Aussicht gestellt.

Tatsächlich hatte Trump das Ende der Sanktionen in Aussicht gestellt, „wenn ein erkennbarer Abrüstungsprozess“ im Gange sei. Und er hatte gesagt: „ich will unsere Soldaten nach Hause bringen“, aber das sei „derzeit nicht Teil der Gleichung“.

 

Übungen seit 1970ern

Fakt ist aber, dass Trump überraschend angekündigt hatte, Militärübungen mit Südkorea während der Verhandlungen zu stoppen, weil diese provokativ wirkten und kostspielig seien. Diese Position könne sich ändern, wenn „die künftigen Verhandlungen nicht so laufen wie sie sollten“. Seoul war darüber offenbar nicht vorab informiert worden. „Zum gegenwärtigen Zeitpunkt benötigen wir erst einmal Klarheit, was der Präsident mit seiner Bemerkung exakt gemeint hat“, hieß es aus Seoul. Es habe noch keine Gespräche mit Washington gegeben, ob das für August geplante Großmanöver modifiziert werden muss. Auch die US-Streitkräfte in Südkorea „haben keine Veränderung zur Ausführung der Trainingsübungen erhalten“, teilte die dortige Militärführung mit. Man werde weiterhin mit den südkoreanischen Partnern nach den aktuellen Anordnungen kooperieren, solange es keine neuen Befehle gebe.

Für die Südkoreaner sind die Manöver ein zweischneidiges Schwert. Einerseits freuen sich Regierung und Bevölkerung, dass es eine Chance auf Frieden mit Nordkorea gibt. Doch beim Schutz des Landes verlässt sich Seoul auf das Verteidigungsbündnis mit den USA. Nach Auffassung vieler Sicherheitsexperten hat Trump in Singapur „wichtige Belohnungen“ verteilt, bevor es eine echte Friedenslösung gibt. Seit den 1970er Jahren üben USA und Südkorea die Abwehr nordkoreanischer Angriffe. „Diese Übungen sind das Herzstück unserer Allianz und die Stationierung von US-Truppen in Südkorea wäre bedeutungslos, wenn die Manöver nicht weiter praktiziert würden,“ sagt Moon Seoong Mook vom Koreanischen Forschungsinstitutes für Nationale Strategie in Seoul. „Ich bin beunruhigt, dass sich der Singapur-Gipfel als Rückschlag für Bemühungen zur Denuklearisierung Nordkoreas erweist und in die Allianz zwischen Washington und Seoul einen Keil treibt.“

Ähnliche Bedenken hat Tokio. Der US-Partner ist besorgt über die einseitige Aufkündigung gemeinsamer Manöver durch Trump. Die Militärpräsenz sei für die Sicherheit in Ostasien wichtig und unverzichtbar, so Verteidigungsminister Itsunori Onodera. Für Japan seien die Übungen nicht teure und sinnlose Kriegsspiele, sondern werde auch weiter darauf bestehen. Ebenso halte Japan am Ausbau der Verteidigungsfähigkeit fest, um sich vor möglichen Raketenangriffen aus Nordkorea wappnen zu können.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.06.2018)

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