Türkischer Auftragsmord in Dänemark?

Laut Medien war ein Gülen-Anhänger im Visier.

Stockholm/Kopenhagen. Die Sender nennen ihn Mehmet. An einem Abend seien mehrere Autos des dänischen Geheimdienstes vor seinem Haus aufgetaucht. „Sie waren zivil gekleidet, zeigten aber ihre Dienstausweise vom Geheimdienst PET vor“, erklärt Mehmet. „Ich fragte sie, ob dass hier ein Witz ist.“ Die Geheimpolizisten hätte jedoch gesagt, dass sie einen Hinweis erhalten hätten. Mehmet sollte angeblich an jenem Wochenende im Jänner von einem Auftragskiller umgebracht werden.

Die öffentlich-rechtlichen Sender in Dänemark und Schweden berichteten am Mittwoch über den Fall Mehmet und erhoben schwere, von offizieller Seite jedoch unbestätigte Anschuldigungen gegen die Türkei. Die Rede ist von angeblichen „türkischen Auftragsmorden in Dänemark“. Im Fall „Mehmet“ habe es eine „konkrete ernste Bedrohung“ gegeben, berichten die Medien. Der Mann gelte als Unterstützer des islamischen Predigers Fethullah Gülen, den Ankara für den gescheiterten Putsch verantwortlich macht. Mit dem Mord soll eine „kriminelle Bande“ beauftragt worden sein, die „enge Beziehungen“ zu Politikern in der Türkei unterhalte.

 

Geheimdienste abhängig

Mehmet lebe seit Jahrzehnten in Dänemark und besitze die türkische Staatsbürgerschaft. Das schwedische Radio SR berichtet, dass die Situation schwierig für den dänischen Geheimdienst war: Hätte man den mutmaßlichen Mordversuch veröffentlicht, wäre es zu einer diplomatischen Krise zwischen Dänemark und der Türkei gekommen. Die Dänen sind auf eine gute Zusammenarbeit mit dem türkischen Geheimdienst angewiesen – vor allem bei der Bekämpfung radikaler dänischer IS-Krieger, die auf ihrem Rückweg aus Syrien die Türkei durchqueren.

Am 24. Juni finden die türkischen Präsidentschaftswahlen statt. Die ganze Geschichte sei nur eine Lügenkampagne der Gülen-Bewegung gegen den türkischen Präsidenten Erdoğan, kommentierten Anhänger des Präsidenten die Nachricht im Internet. (anw)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.06.2018)

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