Ein Protestempfang für den US-Präsidenten

Großbritannien. Zehntausende Demonstranten bereiten sich auf den Besuch Trumps vor – mit Ballons, die das Antlitz des Präsidenten zeigen. Die britische Regierung hofft indes auf ein Handelsabkommen mit den USA.

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BRITAIN-US-DIPLOMACY-DEMO-TRUMP – (c) APA/AFP/ISABEL INFANTES

London. Ausgerechnet der sprichwörtliche „Freitag, der 13.“ wird heute der Hauptbesuchstag von US-Präsident Donald Trump in Großbritannien sein. Dabei wird er sich nur kurz in der Hauptstadt aufhalten. Doch London hat sich auf seinen Besuch vorbereitet. Und „The Donald“ wird dort omnipräsent sein: Neben dem Parlament schwebt ein riesiger Ballon, der Trump als weinerliches Baby in Windeln und einem Mobiltelefon in seinen kleinen Händen darstellt. Die umstrittene Verspottung des US-Präsidenten ist nur Auftakt zu Protestkundgebungen im ganzen Land unter dem Motto „Together Against Trump“.

Allein in London werden mindestens 50.000 Teilnehmer erwartet, 10.000 Angehörige der Sicherheitskräfte sind im Einsatz und die Residenz des US-Botschafters, in der Trump übernachtete, ist abgeriegelt. „Eine Schande ist das“, schimpft eine Anrainerin am noblen Regents Park.

Proteste gegen die Politik der USA sind in London nicht außergewöhnlich. Gegen den drohenden Angriff im Irak ging Anfang 2003 mehr als eine Million Menschen auf die Straße. Dieses Mal aber ist es persönlich. Präsident Trump habe „das größte Ausmaß an Unbehagen und Spannungen gegen eine individuelle Persönlichkeit“ erzeugt, meint Scott Lucas, Professor für Amerika-Studien an der Universität Birmingham. „Bei den Protesten geht es darum, die amerikanischen Werte gegen diesen Mann hochzuhalten.“

 

77 Prozent gegen Trump

Wenn auch der Ballon umstritten ist und erst nach Zehntausenden Unterschriften auf einer Online-Petition von der Londoner Stadtverwaltung gestattet wurde, scheint er doch einen Nerv zu treffen: Nach einer zur Wochenmitte veröffentlichten Umfrage haben 77 Prozent der Briten eine negative Meinung zu Trump. 63 Prozent halten ihn für einen Rassisten, 74 Prozent für sexistisch. Die vielbeschworene „special relationship“ aufrechtzuerhalten, ist da nicht so einfach.

 

May preist Allianz zu USA

Die Regierung versucht es dennoch unverdrossen. Unmittelbar nachdem Trump am Mittwoch Deutschland beleidigt hatte, erklärte die britische Premierministerin May scheinbar ungerührt: „Es gibt keine stärkere Allianz als unsere special relationship mit den USA, und es wird auch in der Zukunft kein wichtigeres Bündnis für uns geben.“ Großbritannien hofft immer noch auf das von Trump versprochene „wunderbare Handelsabkommen“ mit den USA nach dem Brexit. Der US-Präsident hat mehrfach den Austritt der Briten aus der EU als „einmalige Chance auf eine Umkehr“ begrüßt.

Obwohl der US-Botschafter in Großbritannien, Woody Johnson, im Vorfeld des Besuchs beteuerte, dass ein bilaterales Handelsabkommen „ganz oben auf der Prioritätenliste“ Trumps stehe, ist bisher nichts in diese Richtung geschehen. Dass es überhaupt zustande kommen wird, ist zuletzt noch unwahrscheinlicher geworden durch den Kurswechsel der Briten zum Brexit: Nach dem gestern veröffentlichen Weißbuch will London ausdrücklich die EU-Standards etwa für Lebensmittel beibehalten, was der US-Regierung schon bisher gar nicht gefallen hat.

Botschafter Johnson sah sich freilich vor Eintreffen seines Bosses genötigt, Schönwetter zu machen. Immerhin hatte Trump bei der Abreise aus Washington gemeint, Großbritannien befinde sich in „politischem Aufruhr“, und den am Montag zurückgetretenen Außenminister Boris Johnson hatte er dabei als „sehr, sehr guten Freund“ gepriesen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.07.2018)

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