Mehrere Tote bei neuen Protesten in Nicaragua

Zusammenstöße zwischen Paramilitärs und Demonstranten. Angst vor Eskalation bei Generalstreik.

Managua. Die Gewalt in Nicaragua steuert einem neuem Höhepunkt zu: Bei Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten sind am Donnerstag mindestens fünf Menschen getötet worden. Unter den Todesopfern in der Stadt Morrito im Südosten des zentralamerikanischen Landes waren auch vier Polizisten.

Laut Aktivisten war der Protestzug an einer Polizeiwache vorbeigezogen und von regierungstreuen Paramilitärs attackiert worden. Daraufhin hätten Demonstranten geschossen. Landesweit gingen am Donnerstag wieder tausende Menschen mit der weiß-blauen Nationalflagge auf die Straße. Für Freitag war zudem ein Generalstreik geplant, eine weitere, blutige Eskalation wird befürchtet.

Die Demonstranten fordern den Rücktritt von Präsident Daniel Ortega und Wahlen. Nach Angaben von Menschenrechtlern wurden bei den seit fast drei Monaten andauernden Protesten bereits mehr als 260 Menschen getötet. Eine zentrale Rolle spielt auch die katholische Kirche, die sich als Vermittlerin einschalten will und die Übergriffe der Regierung kritisiert. Die katholischen Bischöfe Nicaraguas appellierten gestern an beide Seiten: „Wir glauben weiterhin daran, dass der Dialog der Weg ist, um die Gewalt zu überwinden“, sagte Weihbischof Silvio Baez. Baez war bei einem Angriff in einem Gotteshaus zusammen mit Managuas Erzbischof Kardinal Leopoldo Brenes und Papstbotschafter Erzbischof Stanislaw Waldemar leicht verletzt worden.

 

Autoritäres Ortega-Ehepaar

Die Unruhen hatten Mitte April begonnen, als Sicherheitskräfte Demos gegen Pensionskürzungen gewaltsam niederschlugen. Seither weiteten sich die Proteste auf das ganze Land aus. Sie richten sich inzwischen gegen den autoritären Regierungsstil von Präsident Ortega und seiner Ehefrau, Vizepräsidentin Rosario Murillo. Ortega schließt einen Rücktritt jedoch aus. Der Ex-Guerillakämpfer regierte Nicaragua von 1979 bis 1990 und erneut seit elf Jahren, sein Mandat endet im Jänner 2022. (ag.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.07.2018)

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