Putin überlistet Trump – aber reicht das schon?

Während Politiker voll des Lobes über den Gipfel waren, fiel die publizistische Reaktion differenzierter aus: Putin sei seinen geopolitischen Zielen näher gekommen, werde jedoch weiter mit Widerstand zu rechnen haben.

Wladimir Putin
Wladimir Putin
Wladimir Putin – APA/AFP/BRENDAN SMIALOWSKI

Moskau. Am Tag eins nach dem Gipfeltreffen zwischen Donald Trump und Wladimir Putin bestimmte das Ereignis noch immer die Nachrichten. Anders als in den USA war das politische und mediale Echo in Russland rundherum positiv – von Sergej Lawrows Sager, das Treffen sei „besser als super“ verlaufen, bis hin zur Aussage der Sprecherin des Föderationsrates, Valentina Matwijenko, die den Gipfel als „ersten wichtigen Schritt zur Schaffung eines politischen Dialogs“ bezeichnete.
Was in den USA als Trumps Einknicken vor Putin gesehen wird, betrachten Kreml-nahe Politiker und Journalisten als lang ersehntes Verhältnis auf Augenhöhe – wobei mit unverhohlener Freude attestiert wurde, dass Putin ungleich souveräner als sein amerikanischer Kollege ausgestiegen sei. Die regierungsnahe „Komsomolskaja Prawda“ ließ einen Gebärdenexperten den Beweis antreten, dass Putin der stärkere Anführer von beiden sei, da Trump sein Gegenüber nicht wie sonst mit seinem Händedruck „erlegt“ hätte.

Mancherorts wurden auch Bedenken angesichts der Performance Trumps geäußert. Die Boulevardzeitung „Moskowskij Komsomolez“ lobte Putins List zwar, zeigte sich aber auch beunruhigt bezüglich einer möglichen Gegenreaktion aus den Vereinigten Staaten: Das Treffen ist „Anlass für Stolz, aber auch für Beunruhigung.“ Trump zu überlisten bedeutet nicht, die politische Klasse der USA überlistet zu haben; mit Widerstand sei also zu rechnen.

Lob für „Revolutionär Trump“

Während Kreml-nahe Politologen wie Sergej Markow vom Zusammentreffen Putins mit dem „Revolutionär Trump“ schwärmten, zeigten sich andere Stimmen kritischer. Sollte in den USA der Eindruck entstehen, dass Putin Trump in der Tasche hat, dann wäre das „schlecht“, sagte Walerij Garbusow von der Russischen Akademie der Wissenschaften.

Anders als in den USA, wo die Wahleinmischung im Vordergrund stand, betonte man in Russland die Inhalte des Treffens – die lange Liste an aktuellen Fragen, die Putin vorgetragen hatte, von der Abrüstung bis hin zur Konfliktregelung in Syrien. Hier machte der Politikexperte Fjodor Lukjanow eine konkrete Annäherung aus. Ähnlich dazu Garbusow: „Ich sehe diesen Gipfel nicht als Schlachtfeld. Es war ein Forum, um Probleme der Zukunft zu besprechen.“

Probleme der Zukunft, wie sie Trump und Putin künftig zu zweit am Tisch entscheiden wollen, wie der regierungskritische Kommentator Wladimir Frolow im Onlinemagazin „Republic“ schrieb. Putin habe dank Trumps Performance in Helsinki ein geopolitisches Ziel erreicht, das er seine ganze letzte Amtszeit verfolgt habe: „Es war die offizielle Anerkennung Russlands als mit den USA gleichberechtigte, globale Macht.“

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