Trumps Privatkrieg gegen CNN an der Heimatfront

Für den Präsidenten ist der Nachrichtensender „Fake News“. Er ließ eine CNN-Journalistin von Pressekonferenz aussperren. Seine Frau, Melania, hält indes viel auf CNN.

Donald Trump ist verärgert über seine Frau Melania.
Donald Trump ist verärgert über seine Frau Melania.
Donald Trump ist verärgert über seine Frau Melania. – APA/AFP/SAUL LOEB

Wien/Washington. Es ist nur eine Nebenfront in seinem Privatkrieg gegen CNN. Doch just zu Hause musste US-Präsident Donald Trump eine herbe Niederlage in seinem Bann gegen den Nachrichtensender einstecken, den er üblicherweise als „Fake News“ bezeichnet – als Produzenten falscher Nachrichten. Melania Trumps Büro im East Wing des Weißen Hauses gab nämlich eine Stellungnahme heraus, die neuerlich betonte, dass die First Lady eine „unabhängige Frau“ sei – samt der subkutanen Botschaft, dass sie sich nicht vorschreiben lasse, was sie sich im Fernsehen anschaue.

Begonnen hatte die Kontroverse mit einem Wutausbruch Trumps während seines jüngsten Europa-Trips, als er feststellte, dass der TV-Schirm seiner Frau an Bord der Air Force One auf CNN eingestellt war. CNN gilt als eines der deklarierten „Hassmedien“ des Präsidenten neben der „New York Times“ und der „Washington Post“.

Er ordnete unverzüglich an, alle TV-Apparate in der Präsidentenmaschine auf Fox News zu programmieren, seinen Lieblingssender, den prononciert konservativen Nachrichtenkanal aus dem Hause des US-australischen Medienmagnaten Rupert Murdoch. Die Runde der News-Show „Fox & Friends“ und insbesondere der Moderator Sean Hannity, mit dem er einen regelmäßigen Austausch pflegt und sich zuweilen zum Golfspiel trifft, haben einen privilegierten Zugang zum Präsidenten.

 

Unbotmäßige Fragen

Nicht nur in den Privatgemächern des Weißen Hauses, wo der Präsident und seine Frau gerüchtehalber ein separates Leben führen, sorgt die Wahl des TV-Senders indessen für böses Blut. Bei der improvisierten Pressekonferenz mit EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker im Rosengarten des Weißen Hauses ließ die Kommunikationsabteilung des Trump-Stabs die CNN-Korrespondentin Kaitlan Collins wegen unbotmäßiger Fragen expedieren.

Collins hatte nach dem Besuch Wladimir Putins in Washington gefragt – eine Visite, die Trump nun auf das kommende Jahr verschob, damit sie im Herbst nicht mit den Ergebnissen der Untersuchungen des Sonderermittlers Robert Mueller in der Russland-Affäre kollidiert. Ein Empfang des russischen Präsidenten im Weißen Haus sei – in der Diktion Trumps – erst nach dem Ende der „Hexenjagd“ Muellers und der Kongresswahlen im November politisch genehm, so das Kalkül in Washington.

Nach dem Sturm der Entrüstung infolge des Gipfels mit Putin in Helsinki hatte Trump Stück für Stück zurückgerudert. Zuerst revidierte er seine Einschätzung über die russischen Manipulationsversuche bei der US-Wahl 2016. Zuletzt verstieg er sich schließlich zur Behauptung, der russische Geheimdienst würde bei den Kongresswahlen darauf abzielen, die Demokraten zu stärken. Kein Präsident, so rühmte sich Trump, habe je eine härtere Politik gegen Moskau exekutiert.

 

„Grillen“ des Außenministers

In Washington erzeugte Trumps Volte Kopfschütteln. Selbst das republikanische Establishment wollte dem Präsidenten nicht mehr folgen. Die Parteigranden übten harsche Kritik am vertraulichen Gespräch mit Putin, und in einem dreistündigen Senats-Hearing „grillten“ sie Außenminister Mike Pompeo im außenpolitischen Ausschuss vehementer als die Opposition.

Am schärfsten ging Bob Corker, der republikanische Ausschussvorsitzende, mit der außenpolitischen Strategie ins Gericht. Er sprach ihr jede Konsistenz ab: Feinde umarmen und auf Verbündete einprügeln– dies sei eine Politik, die allein aufs Bauchgefühl vertraut. Sicherheitshalber hatte Pompeo zuvor ein Statement veröffentlicht, in dem er die Annexion der Krim durch Russland verurteilte. Er musste auch eingestehen, dass Nordkorea nach wie vor spaltbares Atommaterial produziere und sein Atomprogramm keineswegs eingestellt habe – was bei Trump laut „Washington Post“ schon Frust aufkommen ließ.

Eine Reihe republikanischer Abgeordneter lanciert derweil eine Initiative gegen einen Parteifreund, Vize-Justizminister Rod Rosenstein. Trump wollte ihn ohnedies bereits längst feuern, weil er offenbar mit Sonderermittler Mueller kooperiert und nicht gewillt ist, diesen abzuberufen.

Kein Ende des Ungemachs also für den Präsidenten. Die zweite Frage der CNN-Korrespondentin Kaitlan Collins betraf dann die Schweigegeldzahlung des Ex-Trump-Anwalts Mike Cohen an das Playmate Karen McDougal. Cohen hatte CNN einen Tonbandmitschnitt des Gesprächs mit Trump zugespielt. Im Trump-Team liegen deshalb die Nerven blank.

 

„Thank you for watching“

Wiederholt holte sich auch Jim Acosta, der CNN-Mann im Weißen Haus, einen Korb vom Präsidenten. „Fake News“, blaffte ihn Trump jüngst bei der Pressekonferenz mit Premierministerin Theresa May in Großbritannien an, als er ihm die Frage verweigerte. Inzwischen erklärten sich die Korrespondentenkollegen solidarisch mit Collins–selbst jene von Fox News. CNN bedankte sich indessen süffisant bei Melania Trump: „Thank you for watching.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.07.2018)

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