Tod einer Islamkritikerin wühlt Niederlande auf

Willie Dille behauptete, von Muslimen vergewaltigt und bedroht worden zu sein. Dann nahm sie sich das Leben. Es gibt jedoch keine Beweise, auch erstattete sie keine Anzeige. Der Fall bleibt ein Rätsel.

Willie Dille hatte Stunden vor ihrem Tod die Schlagzeilen in den Niederlanden beherrscht, nachdem sie auf ihrer Facebook-Seite ein Video platziert hatte.
Willie Dille hatte Stunden vor ihrem Tod die Schlagzeilen in den Niederlanden beherrscht, nachdem sie auf ihrer Facebook-Seite ein Video platziert hatte.
Willie Dille hatte Stunden vor ihrem Tod die Schlagzeilen in den Niederlanden beherrscht, nachdem sie auf ihrer Facebook-Seite ein Video platziert hatte. – (c) Facebook

Den Haag. Mitten in der Sommerpause spielt sich in Den Haag eine politische Tragödie ab. Die prominente PVV-Politikerin Willie Dille nahm sich am Mittwochabend das Leben, wie ihre Familie am Donnerstag mitteilte. Die vierfache Mutter wurde 53 Jahre alt.

Willie Dille hatte Stunden vor ihrem Tod die Schlagzeilen in den Niederlanden beherrscht, nachdem sie auf ihrer Facebook-Seite ein Video platziert hatte. Darin behauptete sie, sie sei von einer Gruppe von Muslimen vor einem Jahr vergewaltigt worden. Sie habe lang geschwiegen. Jetzt aber werde sie von Marokkanern bedroht. Man wolle sie mundtot machen. „Sie kamen zu meinem Auto und sagten, wir werden dir die Kehle durchschneiden (. . .) Ich habe jetzt auch Angst um meine Kinder, dass ihnen etwas angetan werden könnte. Darum rede ich jetzt. Man will mich mundtot machen.“

Ihr Video löste eine heftige Debatte und viele Reaktionen in den sozialen und etablierten Medien aus. Es wurde von denen, die hinter Dille standen, eine Untersuchung der Vergewaltigungsvorwürfe sowie der Bedrohung der Politikerin gefordert. Denn Willie Dille beschuldigte namentlich Arnoud van Doorn, die Vergewaltigung und ihre Bedrohung von extremen Muslimen in Auftrag gegeben zu haben. Der konvertierte Doorn ist derzeit Vorsitzender der Islampartei in Den Haag, war aber früher PVV-Mitglied und in dieser Eigenschaft ein Mitarbeiter von Dille.

Sie hatte ihn aber entlassen. „Er hasst mich“, behauptete Dille in ihrem Video. Doorn ließ in einer Twitterbotschaft verbreiten, er werde Dille möglicherweise wegen übler Nachrede und Verleumdung anklagen.
Kritiker behaupteten, Willie Dille habe die Vergewaltigung erfunden, um Muslime anzuschwärzen. Denn Dille war eine entschiedene Kritikerin des Islam, wie die meisten Politiker und Mitglieder der Freiheitspartei PVV, die von dem Islamkritiker Geert Wilders gegründet wurde.

Man wird wahrscheinlich nie wissen, ob Dille tatsächlich von Muslimen vergewaltigt wurde oder nicht. Aber die Haager Polizei teilte nach ihrem Tod mit, dass sie keine Anzeige wegen Vergewaltigung erstattet hat. Das wirft Fragen zur Glaubwürdigkeit von Dilles Schilderungen auf, sagen Kritiker.

Geert Wilders selbst kondolierte am Donnerstag der Familie von Dille und twitterte: „Sie war eine fantastische Kollegin, die immer ein Auge für die Mitmenschen hatte, besonders für die Jugend. Ihr Verlust ist nicht mit Worten zu beschreiben. Wir werden sie enorm vermissen. Wir wünschen ihrem Partner und ihren Kindern viel Kraft.“

 

Den Haags Stadtchefin bricht Urlaub ab

Willie Dille war fast 30 Jahre lang in der Behindertenpflege. Von 2010 bis 2012 war sie Abgeordnete für die PVV im Haager Parlament. Acht Jahre war sie Stadträtin in Den Haag. Ministerpräsident Mark Rutte erklärte zu ihrem Tod: „Ich bin geschockt. Mein Mitgefühl gilt der Familie von Willie Dille. Ich habe Geert Wilders und der PVV viel Kraft gewünscht, um über diesen schweren Verlust hinwegzukommen.“ Die Haager Bürgermeisterin, Pauline Krikke, kündigte an, wegen Dilles Tod ihren Urlaub zu unterbrechen und nach Den Haag zurückzukehren.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.08.2018)

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