Migration: Grenzübertritte im Baskenland steigen

Im spanisch-französischen Grenzgebiet werden deutlich mehr Flüchtlingsbewegungen verzeichnet. Die baskische Regierung bereitet sich auf weiteren Anstieg vor.

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Themenbild – Reuters (Jon Nazca)

Die Küstenstadt Irun im spanischen Baskenland liegt direkt an der Grenze zu Frankreich. Nur der Fluss Bidassoa trennt sie von ihrer französischen Schwesterstadt Hendaye. Diese Lage macht die Stadt von jeher für Migranten attraktiv, die weiter nach Frankreich wollen. Bis vor einem Monat trafen in Irun im Tagesdurchschnitt vier bis fünf Flüchtlinge ein. Nun sind es deutlich mehr.

Die zuletzt deutlich steigende Zahl der nach Spanien einreisenden Flüchtlinge macht sich auch hier bemerkbar. Zuletzt waren es etwa zehn Mal so viele Flüchtlinge wie bisher. "Es fing an ungewöhnlich zu werden, als wir sahen, dass sie im Bahnhof oder auf Parkplätzen schliefen", erzählt die Aktivistin Bibi Liras. Bewohner und Vereine der mittelgroßen Stadt im spanischen Baskenland schlossen sich in einem informellen Netzwerk zusammen, um auf den verstärkten Zuzug besser reagieren zu können.

Migranten, die in Irun keine Unterkunft finden, wenden sich an das Netzwerk der freiwilligen Helfer, die für sie kochen und ihnen Kleidung besorgen. Duschen gibt es für sie in einer örtlichen Tanzschule. Doch viele finden trotzdem keinen Platz zum Schlafen und müssen unruhige Nächte im Bahnhof verbringen.

Denn das Rote Kreuz hat in Irun nur Schlafplätze für 24 Menschen. Im gesamten Baskenland gibt es bloß drei ähnliche Einrichtungen. Insgesamt können 177 Menschen für drei bis vier Nächte aufgenommen werden. Das Rote Kreuz betreute in den vergangenen zwei Monaten nach eigenen Angaben insgesamt 1.600 Menschen.

Der Anstieg der Flüchtlingszahlen in Spanien liegt nicht zuletzt an Italiens Abschottungspolitik. Erst am Donnerstag gingen im südspanischen Algeciras 87 überwiegend sudanesische Bootsflüchtlinge an Land, deren Rettungsschiff tagelang auf dem Mittelmeer umhergefahren war. Italiens weit rechts stehender Innenminister und stellvertretender Regierungschef Matteo Salvini hatte das Anlegen jeglicher NGO-Schiffe in italienischen Häfen untersagt.

Nachzug aus Ghana und Guinea

Ein Mitglied der baskischen Regierung, das nicht namentlich genannt werden will, stellt sich darauf ein, dass künftig Hunderte Flüchtlinge eintreffen könnten. Derzeit sei allerdings noch alles überschaubar. Viele Flüchtlinge aus Ländern Westafrikas wie Ghana oder Guinea wollten zu ihren Angehörigen nach Frankreich oder Belgien. Doch die Chancen, zu den Verwandten zu gelangen, stehen schlecht. Gemäß einer Vereinbarung zwischen Frankreich und Spanien können die französischen Behörden jeden an der Grenze festgenommenen Migranten und jeden, der sich seit weniger als vier Stunden in Frankreich befindet, nach Spanien abschieben.

Die diese Tage von der baskischen Regierung bekannt gegebene Vereinbarung stößt bei Flüchtlingshelfern und Menschenrechtsorganisationen auf Widerspruch. Ihrer Ansicht nach müssen sich Migranten innerhalb der Europäischen Union frei bewegen können. Das Gesetz sieht vor, dass Menschen, die bereits mehr als vier Stunden in Frankreich sind, das Recht auf einen Anwalt haben. Dadurch verlängert sich der Prozess der Abschiebung nach Spanien.

(APA/AFP)

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