Tonmitschnitte und "Lügen": Das Weiße Haus wird zur Seifenoper

Neue Tonaufnahmen der entlassenen Mitarbeiterin Manigault Newman sorgen für Aufsehen. Darin sagt Trump angeblich, dass er nicht wolle, dass sie gehe. Trump hatte die Afroamerikanerin später als "Abschaum" bezeichnet.

Die frühere Mitarbeiterin des Weißen Hauses hat ein Buch geschrieben.
Die frühere Mitarbeiterin des Weißen Hauses hat ein Buch geschrieben.
APA/AFP/BRENDAN SMIALOWSKI

Vor der Veröffentlichung ihres Enthüllungsbuchs hat eine frühere Mitarbeiterin von US-Präsident Donald Trump heimliche Tonbandaufnahmen aus dem Weißen Haus veröffentlicht. Omarosa Manigault Newman machte am Sonntag einen Mitschnitt ihres Entlassungsgesprächs mit Stabschef John Kelly publik, am Montag veröffentlichte sie ein vertrauliches Gespräch mit dem US-Präsidenten selbst.

Manigault Newman sagte im Fernsehsender NBC, sie habe sich damit schützen wollen in einem Weißen Haus, "in dem jeder lügt". Trump reagierte erzürnt.

Manigault Newman, die durch Trumps Reality-Show "The Apprentice" bekannt wurde, war nach Trumps Wahlsieg zur Kommunikationsdirektorin des Büros des Weißen Hauses für öffentliche Beteiligung ernannt worden. Im Dezember wurde sie entlassen. In ihrem Buch "Unhinged" (auf deutsch etwa: "Gestört" oder "Aus den Angeln gehoben"), das am Dienstag in die Buchläden kommt, beschreibt sie Trump als "Rassisten".

Elektronische Geräte verboten

Die Veröffentlichung der Mitschnitte ist ungewöhnlich, denn der Situation Room im Weißen Haus, in dem Manigault Newman 2017 von Kelly gefeuert wurde, ist ein Ort höchster Vertraulichkeit. Elektronische Geräte sind dort normalerweise verboten. Auf dem Band ist eine Stimme zu hören, die diejenige Kellys sein soll. Er wirft der 44-jährigen Afroamerikanerin "bedeutende Integritätsprobleme" vor.

Am Montag veröffentlichte NBC noch einen zweiten Mitschnitt. Zu hören ist demnach eine Unterhaltung, die Manigault Newman nach ihrer Entlassung mit Trump führte; der US-Präsident scheint von der Entlassung seiner engen Mitarbeiterin gerade erst gehört zu haben.

"Omarosa? Omarosa, was ist los?", fragt Trump in der Aufnahme. "Ich habe gerade in den Nachrichten gesehen, dass du darüber nachdenkst wegzugehen? Was ist passiert? Niemand hat mir etwas davon erzählt." Trump fügt hinzu: "Ich wusste es nicht. Ich mag es gar nicht, dass du gehst."

Die "verrückte Omarosa"

Nach der Veröffentlichung der Mitschnitte bezeichnete Trump seine langjährige Bekannte als "Abschaum" und schrieb eine Serie wütender Tweets. Die "verrückte Omarosa" sei schon bei "The Apprentice" drei Mal gefeuert worden, schrieb Trump. Nun sei sie "zum letzten Mal gefeuert worden".

Manigault Newman habe bei ihm "mit Tränen in den Augen" um einen Job "gebettelt", berichtete Trump. "Ich sagte ok." Im Weißen Haus hätten die Leute sie aber "gehasst". Manigault Newman sei "bösartig" und "nicht klug" gewesen. Er selbst habe sie nur selten gesehen, aber "wirklich schlimme Sachen" über sie gehört", fügte Trump hinzu. Sie sei zu anderen Mitarbeitern "gemein" gewesen und habe "ständig Meetings verpasst" oder sei nicht zur Arbeit gekommen.

Kelly habe ihm nach seiner Ernennung zum Stabschef gesagt, dass sie eine "Verliererin" sei und "nichts als Probleme" mache. Trump berichtete, er habe Kelly darum gebeten, die Sache - wenn möglich - zu klären, "weil sie nur großartige Sachen über mich gesagt hat - bis sie gefeuert wurde".

"Präsident belügt das amerikanische Volk"

Manigault Newman rechtfertigte sich bei NBC: "Ich habe mich selbst geschützt, denn das ist ein Weißes Haus, in dem jeder lügt", sagte die 44-Jährige. "Der Präsident belügt das amerikanische Volk". Auch Trumps Sprecherin Sarah Sanders "steht vor dem Land und lügt jeden Tag."

Manigault Newman zeigte sich auch reumütig über ihre Mitarbeit in der Trump-Regierung. Sie sei "mitschuldig" daran, dass das Weiße Haus die Nation "betrügt". "Sie täuschen die Nation weiter darüber, wie rückständig er geistig ist", sagte sie über Trump. "Wie schwer es ihm fällt, komplexe Informationen zu verarbeiten. Wie wenig er mit den wichtigsten Entscheidungen befasst ist, die unser Land betreffen. Ich war mitschuldig und das bedauere ich".

(Apa/red)

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