Taliban entführten in Afghanistan Dutzende Menschen aus Bussen

Im Norden des Landes stoppten radikal-islamische Kämpfer drei Busse und entführten die Insassen. Nun kündigten die Taliban an, alle bis auf die Sicherheitskräfte wieder freizulassen.

Archivbild eines afghanischen Soldaten an einem Checkpunkt in Jalalabad.
Archivbild eines afghanischen Soldaten an einem Checkpunkt in Jalalabad.
Archivbild eines afghanischen Soldaten an einem Checkpunkt in Jalalabad. – APA/AFP/NOORULLAH SHIRZADA

Die radikal-islamischen Taliban haben angekündigt, alle Zivilisten freizulassen, die am Montag aus drei Bussen in der nordafghanischen Provinz Kunduz heraus entführt worden waren. Ein Sprecher der Islamisten sagte, Ziel der Aktion seien Sicherheitskräfte an Bord der Busse gewesen. Diese würden mit nur wenigen Ausnahmen als Gefangene festgehalten.

Mindestens 500 andere Bus-Passagiere würden noch am Montag freikommen. Die Busse waren nach Angaben eines Sprechers des Provinzgouverneurs unterwegs von der Provinz Takhar in die Hauptstadt Kabul. Wegen des bevorstehenden Opferfestes, zu dem große Familienfeste gefeiert werden, seien die Busse sehr voll gewesen. Wohin die Taliban die verschleppten Passagiere brachten, war unbekannt.

Erst am Sonntag hatte der afghanische Präsident Ashraf Ghani trotz der zuletzt heftigen Kämpfe um die Stadt Ghazni eine Waffenruhe mit den Taliban angekündigt. Diese sollte am Montag beginnen und so lange dauern, wie ihn die Taliban bewahrten, hatte er erklärt. In Talibankreisen hatte es geheißen, mehrere Anführer hätten einem viertägigen Waffenstillstand während des islamischen Opferfestes, das offiziell am Dienstag beginnt, zugestimmt. Allerdings stehe die Zustimmung von oberster Stelle noch aus.

USA begrüßten Feuerpause-Pläne

Die USA haben die Ankündigung einer dreimonatigen Waffenruhe in Afghanistan durch Präsident Ashraf Ghani begrüßt. "Die jüngste Waffenruhe in Afghanistan hat den tiefen Wunsch der afghanischen Bevölkerung nach einer Beendigung des Konflikts gezeigt", erklärte US-Außenminister Mike Pompeo am Sonntag.

Die USA und ihre internationalen Partner unterstützten die Initiative des afghanischen Volkes und der afghanischen Regierung und forderten die Taliban auf, sich zu beteiligen, erklärte Pompeo weiter. Die internationale Gemeinschaft hoffe, dass die afghanische Bevölkerung das Eid-Fest "in diesem Jahr in Frieden, frei von Furcht" feiern könne.

Auch Nato und Pakistan hoffen auf Waffenruhe

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg erklärte auf Twitter, er "ermutige" die Taliban, die Waffenruhe zu respektieren und ihre "Sorge um die Afghanen zu demonstrieren". Auch Pakistan, dem immer wieder vorgeworfen wird, Taliban-Anführern einen sicheren Rückzugsraum zu bieten, begrüßte die Ankündigung einer Waffenruhe.

Im Juni hatte die Regierung erstmals einseitig eine Waffenruhe mit den Taliban ausgerufen, sie aber nach 18 Tagen für beendet erklärt. In diesem Monat lieferten sich die Konfliktparteien schwere Kämpfe in der ostafghanischen Provinzhauptstadt Ghazni. Die Taliban hatten die Stadt am 9. August angegriffen, es gab tagelange Gefechte. Inzwischen wurden die Extremisten von den Regierungstruppen wieder aus der Stadt vertrieben.

(APA/Reuters/AFP)

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