Kritik an "Feine Sahne Fischfilet" bei Chemnitzer "Wir sind mehr"-Konzert

Die Band ist wegen ihrer Texte nicht unumstritten, sie gilt als Linksextrem. CDU und FDP finden nicht gut, dass Bundespräsident Steinmeier auf Facebook zum Konzert einlud.

Warten auf die Bands - auch Feine Sahne Fischfilet wird in Chemnitz auftreten.
Warten auf die Bands - auch Feine Sahne Fischfilet wird in Chemnitz auftreten.
Warten auf die Bands - auch Feine Sahne Fischfilet wird in Chemnitz auftreten. – REUTERS

Der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier teilt auf seiner Facebook-Seite üblicherweise keine Musiktipps. Vor allem nicht aus der Punkrock-Szene. Für den gestrigen Montagabend machte er allerdings eine Ausnahme: Er verbreitete die Einladung zu dem Gratiskonzert in Chemnitz, das unter dem Motto „Wir sind mehr – Aufstehen gegen rechte Hetze“ organisiert wurde.

Das brachte ihm Kritik ein - vor allem aus der CDU. Unter den dort auftretenden linken Rockgruppen befindet sich die Punkband Feine Sahne Fischfilet, die 2011 im Verfassungsschutzbericht des Landes Mecklenburg-Vorpommern als linksextremistisch aufgeführt wurde.

Medienberichten zufolge hat sich die Gruppe inzwischen von früheren Texten etwa zu Gewalt gegen Polizisten distanziert. CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer sagte dem Fernsehsender "Welt" am Montag zu Steinmeiers Haltung, sie finde das "sehr kritisch". "Denn das, was wir wollen, ist, unsere Demokratie und unseren Rechtsstaat gegen Rechts zu schützen. Und wenn man das dann mit denen von Links tut, die genau in der gleichen Art und Weise auf Polizeibeamte verbal einprügeln (...), dann halte ich das für mehr als kritisch."

Die Band war schon bei ihrem Debütalbum "Backstage" mit der Single "Staatsgewalt" den Behörden aufgefallen. Laut dem Landeskriminalamt Mecklenburg-Vorpommern fördere der Songtext Gewaltbereitschaft der Hörer, das Album blieb dennoch frei zugänglich. Auch in Verfassungsschutzberichten des Bundeslandes tauchte Feine Sahne Fischfilet mehrere Male auf - zuletzt 2015.

Hochkarätiges Line-up

Bei dem Open-Air-Konzert im Zentrum von Chemnitz spielen am Montag unter anderem die Toten Hosen sowie die ostdeutschen Bands Kraftklub. In einem auf Facebook veröffentlichten Aufruf fordern die Initiatoren Solidarität mit jenen Ausländern, die insbesondere nach dem Tod eines 35-Jährigen in Chemnitz angegriffen wurden.

Vor der Gratis-Musik gab es am Montagnachmittag in Chemnitz noch kostenloses Eis – sofern einem die Sorten „Erdbeer-Nazifrei“ und „Cookie-ohne-Rechts“ schmeckten. Campino, Sänger der „Toten Hosen“, startete bei einer Pressekonferenz noch einen Aufruf: „Es geht nicht um Links gegen Rechts“, sagte er. Sondern darum, dass „alles, was einen Funken Anstand hat“, sich gegen Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus auflehne.

Gegenveranstaltungen, unter anderem vom Pegida-Ableger Thügida, wurden untersagt: Man wollte sich neben dem Konzertgelände unter dem Motto „Gegen antideutsche Kommerzhetze“ versammeln. Die Veranstaltungsfläche sei aber bereits belegt, argumentierte die Stadt Chemnitz.

Auch aus der FDP kam indes Kritik am Auftritt von Feine Sahne Fischfilet. "Die Veranstalter tun sich keinen Gefallen damit, wenn sie solche Bands, die mit Gewalt gegen den Rechtsstaat vorgehen wollen, einladen", sagte FDP-Generalsekretärin Nicola Beer am Montag in der "Bild"-Sendung "Die richtigen Fragen".

Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter stellte in der Sendung hingegen infrage, ob die Band tatsächlich linksextrem sei. Es sei nicht klar, ob der Verfassungsschutz da klug regiert, auch wenn einige der Texte der Punkband "keine schönen Texte" seien.

Keine Besuche von Regierungsmitgliedern

Besuch von weiteren Regierungsmitgliedern ist in Chemnitz nicht zu erwarten - auch abseits der Konzert. Nach der Visite von Familienministerin Franziska Giffey (SPD) zunächst keine weiteren Termine von Regierungsvertretern vor Ort geplant. Weder Kanzlerin Angela Merkel noch Innenminister Horst Seehofer hätten derzeit konkrete Pläne, nach Chemnitz zu fahren, hieß es am Montag. Von Sprechern anderer Ressorts wurden ebenfalls keine Reisen angekündigt.

Merkel (CDU) habe sich in der vergangenen Woche "klar und deutlich geäußert", sie habe zudem mit Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) und Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (SPD) telefoniert, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert weiter. Die Kanzlerin habe ihre tiefe Betroffenheit über die grausame Tötung des jungen Manns ausgedrückt. In Chemnitz war es nach der Tötung eines 35-Jährigen vor rund einer Woche mehrfach zu Demonstrationen rechter Gruppierungen gekommen.

"Botschaft des Hasses"

Seibert sagte, die als "Trauermarsch" angekündigte Demonstration gewaltbereiter Rechtsextremer und Neonazis habe "mit Trauer nicht das Geringste zu tun". "Von diesen Aufmärschen sollte eine ganz andere Botschaft ausgehen, die Botschaft des Hasses", sagte der Regierungssprecher. Die daran Beteiligten "stehen weder für Chemnitz noch für Sachsen insgesamt noch sind sie das Volk", betonte Seibert. "Das müssen wir ihnen mit allen Mitteln klarmachen."

Ministerin Giffey hatte am Freitag die Stadt besucht. Sie hatte an dem Ort, an dem der 35-jährige Deutschkubaner erstochen worden war, Blumen niedergelegt. Am Montag forderte sie weitere Besuche von Kabinettsmitgliedern. "Es gibt Momente, da passieren Dinge in Deutschland, da muss die Regierung einfach da sein", sagte Giffey im ARD-"Morgenmagazin". Auch der frühere SPD-Chef Sigmar Gabriel hatte kritisiert, die Regierung zeige zu wenig Präsenz in Chemnitz.

(Ag./ib)

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