Österreicher verhaftet: Kurz will von Türkei "sofort" Antworten

Die Bundesregierung schaltet sich in den Fall des 29-jährigen Studenten und freien Journalisten ein. Die Türkei wirft ihm vor, Mitglied einer Terrororganisation zu sein.

Strache, Kurz
Strache, Kurz
Strache, Kurz – APA/ROBERT JAEGER

Die Festnahme eines Österreichers in der Türkei droht das angespannte Verhältnis zwischen Wien und Ankara weiter zu belasten. Am Mittwoch war der Fall auch Thema im Ministerrat.   „Wir sind in Kontakt mit der Türkei", sagte Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP). Die Türkei müsse nun "sofort" darlegen, was dem Journalisten vorgeworfen werde. Sei das nicht möglich, erwarte sich die Regierung dessen "sofortige Freilassung".

Der Student und freie Journalist Max Zirngast war Dienstagfrüh in seiner Wohnung in Ankara festgenommen worden. Auch sein Laptop wurde nach „Presse“-Informationen beschlagnahmt. Am selben Tag wurde er verhört. Laut türkischem Recht muss er bis Freitag formal angeklagt oder auf freien Fuß gesetzt werden.

Nach „Presse“-Informationen wird dem Politikwissenschaftsstudenten an der "Middle East Technical University" in Ankara die Mitgliedschaft in einer Terrororganisation vorgeworfen. Er soll für einen radikalen Ableger der Türkischen Kommunistischen Partei TKP gearbeitet haben. Der Anwalt des 29-jährigen wies das zurück: Sein Mandant sei in keinerlei illegale Aktivitäten verwickelt. Auch das  „re:volt Magazin“ nannte die Vorwürfe „falsch“. Zirngast schrieb immer wieder für das nach Eigendefinition "linksradikale Politik-Analyse-Bewegungs-Magazin“.

Die Türkei geht seit dem Putschversuch im Juli 2016 immer wieder auch gegen ausländische Staatsbürger vor. Die Festnahmen erfolgen meist wegen "Terrorverdachts". Dies sorgt auch für bilaterale Spannungen wie im Fall der deutschen Journalistin Mesale Tolu, des "Welt"-Reporters Deniz Yücel oder des US-Pastors Andrew Brunson. Die Türkei befindet sich auf der Rangliste der Pressefreiheit auf Platz 157 von 180 Ländern. Rund 150 Medienhäuser wurden laut ROG geschlossen und Massenprozesse abgehalten.

(cu/APA)

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