Russischer Regierungskritiker wegen angeblicher Vergiftung im Krankenhaus

Polit-Punk-Band Pussy Riot: "Sein Leben ist in Gefahr. Wir glauben, er wurde vergiftet".

REUTERS

Der prominente russische Regierungskritiker Pjotr Wersilow ist schwer erkrankt in eine Klinik eingeliefert worden. Die mit ihm befreundete Polit-Punk-Band Pussy Riot vermutet, dass er vergiftet wurde. "Unser Freund, Bruder und Kamerad Pjotr Wersilow ist auf der Intensivstation. Sein Leben ist in Gefahr. Wir glauben, er wurde vergiftet", erklärten die Pussy-Riot-Mitglieder am Mittwochabend per Twitter.

Wersilow habe nach einem Gerichtstermin vor zwei Tagen kaum noch sehen, sprechen oder sich bewegen können, sagte ein weiteres Mitglied der Internetzeitung "Meduza". Er habe auch das Bewusstsein verloren. Eine offizielle Bestätigung des Krankenhauses gab es bisher nicht.

Sturm auf das Fußballfeld

Bekannt wurde der 30-jährige Wersilow, als er in Polizeiuniform beim Finale der Fußballweltmeisterschaft auf das Spielfeld rannte, um damit gegen die Unterdrückung der Meinungsfreiheit in Russland zu protestieren. Er wurde daraufhin zu Arreststrafen verurteilt.

Wersilow ist auch Herausgeber des regierungskritischen Onlinedienstes MediaZona, das sich mit Verstößen gegen die Menschenrechte im russischen Strafvollzug beschäftigt und über Gerichtsverfahren gegen Menschenrechtsaktivisten berichtet. Mediazona-Chefredakteur Sergej Smirnow äußerte sich zurückhaltender: Er bestätigte, dass sich Wersilow im Krankenhaus befindet. Die genaue Diagnose sei aber nicht bekannt, und es sei daher schwer zu verstehen, was da vor sich gehe.

In jüngster Zeit arbeitete Wersilow an einem Dokumentarfilm über einen der drei russischen Journalisten, die im August bei Recherchen über eine russische Söldnergruppe in der Zentralafrikanischen Republik getötet worden waren.

Pussy Riot ist mit spektakulären Aktionen gegen Justizwillkür und Korruption weltweit bekannt geworden. Wersilows Partnerin, Nadeschda Tolokonnikowa, wurde 2012 wegen einer Protestaktion in einer Kirche zu einer Haftstrafe verurteilt.

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