EU-Gipfel in Salzburg: Sperren, Platzverbote und Postkartenfotos

Ab Mittwoch trifft sich die EU zum Gipfel in Salzburg. Die Salzburger sind von Platzverboten betroffen.

++ ARCHIVBILD/THEMENBILD ++ SALZBURG-GIPFEL: SCHLOSS MIRABELL / FESTUNG HOHEN SALZBURG
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Themenbild: EU-Gipfel – (c) APA/BARBARA GINDL

Salzburg. Die Schranne ist ein Fixpunkt im Leben vieler Salzburger. Jeden Donnerstag strömen Tausende Einheimische auf den Wochenmarkt rund um die Andräkirche beim Schloss Mirabell, um sich mit Obst, Gemüse, Fleisch und Co. einzudecken.

Ein kulinarischer Ausflug, auf den die Salzburger am kommenden Donnerstag verzichten müssen. Wenn 28 Staats- und Regierungschefs in Salzburg über innere Sicherheit, Migration und Brexit verhandeln, wird der Markt aus Sicherheitsgründen ersatzlos gestrichen. Dort, wo normalerweise die Standler stehen, parken die Limousinen der Spitzenpolitiker sowie TV-Übertragungsfahrzeuge. Auf dem gesamten Areal gilt ein Platzverbot.

Die Absage der Schranne ist aber nur eine von vielen Maßnahmen, die die Salzburger während des Gipfels treffen. Insgesamt sind während der beiden Tage – die 28 Staats- und Regierungschefs reisen am Mittwochabend an und bleiben bis Donnerstagnachmittag – 1750 Polizisten im Einsatz.

Drei Platzverbote – im Festspielbezirk, wo ein festliches Abendessen stattfindet, rund um den Tagungsort im Mozarteum in der Rainerstraße sowie rund um die Andräkirche – wurden erlassen. Außerdem gibt es zahlreiche Straßensperren und Parkverbote entlang jener Routen, auf denen sich die Politiker bewegen werden. Die öffentlichen Busse werden zum Teil umgeleitet, manche Haltestellen werden nicht angefahren.

 

Ausnahmezustand auf dem Flughafen

Das Bundesheer sichert den Luftraum über Salzburg. Über Teilen Salzburgs, Oberösterreichs, der Steiermark, Tirols und Bayerns gelten Flugbeschränkungen. Mehr als 850 Soldaten und 24 Militärflugzeuge sollen vor Gefahren aus der Luft schützen.

Auch auf dem Flughafen Salzburg herrscht Ausnahmezustand. Der nur im Winter betriebene Terminal 2 wird für die Staatsgäste aktiviert, um deren Ankunft und Abflüge getrennt vom normalen Passagierverkehr abwickeln zu können. „Dadurch kommt es zu keiner Vermischung zwischen dem politischen Verkehr und dem normalen Reiseverkehr, beide Bereiche werden vollkommen getrennt abgefertigt“, sagt Airport-Sprecher Alexander Klaus. „Das einzige, was die ,normalen‘ Passagiere spüren könnten, ist die Zu- oder Abfahrt der Konvois.“

 

Schengen-Abkommen ausgesetzt

In der Zeit von 17. bis 21. September ist das Schengen-Abkommen ausgesetzt. Ein Grenzübertritt ohne Reisedokument ist nicht möglich. Im Fokus der Personenkontrollen sind dabei auch die zahlreichen kleineren Grenzübergänge.

Der Gipfel fordert aber nicht nur Sicherheitsmaßnahmen. Damit Salzburg sich vor der Weltöffentlichkeit in bestem Licht zeigt, wird es ordentlich herausgeputzt. Die Staatsbrücke wird mit den Fahnen von EU und Österreich sowie Stadt und Land Salzburg beflaggt. Das Stadtgartenamt intensiviert den Blumenschmuck auf den Straßen und in den Tagungsräumen. Lorbeerbäumchen – Symbol für Ehre und Ruhm – wurden in den Sitzungssaal im Solitär gebracht.

Der moderne Konzertsaal der Universität Mozarteum hat eine riesige Glasfront, die den Blick auf Festung, Altstadt und Mirabellgarten freigibt. Eine perfekte Kulisse für die Arbeitsgespräche. Das obligate Familienfoto der Gipfelteilnehmer soll im – für die Öffentlichkeit gesperrten – Mirabellgarten gemacht werden. Wenn das Wetter mitspielt, sind dabei Postkartenbilder in Medien in aller Welt garantiert.

 

4000 zusätzliche Nächtigungen

Deshalb freut sich Salzburgs Touristikchef, Leo Bauernberger, schon jetzt über den hohen Werbewert, den die Veranstaltung für Salzburg hat. „Der Event bietet uns die Chance, den Ruf von Stadt und Land Salzburg als internationaler Gastgeber nachhaltig auszubauen“, ist Bauernberger überzeugt. Der Gipfel selbst soll 4000 zusätzliche Nächtigungen bringen.

Bei allein 365.000 Übernachtungen in der Stadt im Monat Juli ist das allerdings eine Größenordnung, die mengenmäßig kaum ins Gewicht fällt. Doch so viele berühmte Gäste, die gleichzeitig in den Tophotels der Innenstadt nächtigen, sind auch in Salzburg selten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.09.2018)

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