"Das iranische Monster muss ausgehungert werden"

Israels Präsident ruft die deutsche Kanzlerin bei ihrem Besuch in Jerusalem dazu auf, sich für eine strengere Überwachung des iranischen Atomprogramms einzusetzen. Von Europa verlangt er, sich neuen Sanktionen gegen Teheran anzuschließen.

Merkel bei Rivlin in Israel
Merkel bei Rivlin in Israel

Israel hat Deutschland dazu aufgefordert, sich mit der Forderung nach einer strengen Überwachung des iranischen Atomprogramms an seine Seite zu stellen. Bei einem Treffen mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel in Jerusalem kritisierte der israelische Präsident Reuven Rivlin am Donnerstag die EU für den Handel mit Israels Erzfeind.

Rivlin forderte von Europa, sich neuen Sanktionen gegen Teheran anzuschließen. "Das iranische Monster muss ausgehungert, nicht gefüttert werden." Nur so lasse sich globale Stabilität gewährleisten.

"Wir bitten Deutschland, sich an unsere Seite zu stellen, in der Forderung, das iranische Atomprogramm zu überwachen, und es dem Iran nicht zu erlauben, gegen seine Zusagen zu verstoßen", sagte Rivlin zudem an Merkel gewandt.

"Nukleare Bewaffnung muss verhindert werden"

Die deutsche Kanzlerin war am Mittwochabend mit Ministern ihres Kabinetts zu regelmäßigen Konsultationen in Jerusalem angekommen. Merkel betonte am Donnerstag bei einem Treffen mit Studenten in Jerusalem, sie sei sich mit der israelischen Regierung völlig einig, dass eine nukleare Bewaffnung des Irans verhindert werden müsse. Allerdings sei man sich über den Weg dahin nicht einig. Die Bedrohung Israels durch den Iran habe deutlich zugenommen. Im syrischen Bürgerkrieg stünden iranische Truppen direkt hinter den Golanhöhen.

Das 2015 geschlossene internationale Atomabkommen mit dem Iran ist einer der zentralen Konfliktpunkte zwischen den Regierungen Deutschlands und Israels.

Netanjahu will das Aus des Atomabkommens

Der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu wirft Merkel einen zu sanften Kurs gegenüber Teheran vor. Er fordert von Europa, dem Beispiel von US-Präsident Donald Trump zu folgen und aus dem Abkommen auszusteigen. Deutschland und andere EU-Staaten wollen die Vereinbarung dagegen retten. Der Iran hatte sich darin im Gegenzug für die Aufhebung von Wirtschaftssanktionen verpflichtet, nicht mehr nach einer Atombombe zu streben und sich Kontrollen zu unterwerfen.

Merkel sprach sich bei ihrem Besuch in Israel für eine engere Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Israel im Hightech-Bereich aus. Israel verfüge über eine lebendige Forschungslandschaft sowie gute Finanzierungsmöglichkeiten und könne mit dem kalifornischen Silicon Valley oder dem chinesischen Shenzhen mithalten, sagte sie am Rande der deutsch-israelischen Regierungskonsultationen bei einem Gespräch mit Start-Up-Unternehmern hinzu. Israel sei Deutschland etwa bei der steuerlichen Forschungsförderung und unbürokratischen Zulassungsverfahren voraus.

An dem Gespräch nahm auch Wirtschaftsminister Peter Altmaier teil. Anschließend trafen die Kabinette beider Länder zu den 7. Regierungskonsultationen zusammen. Merkel hatte bereits bei der Entgegennahme der Ehrendoktorwürde der Universität Haifa am Vormittag betont, dass mit den Regierungskonsultationen die Breite der bilateralen Beziehungen ausgebaut werden solle.

(APA/dpa/Reuters)

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