Iren halten an Higgins fest - und wählen Blasphemieverbot ab

Michael D. Higgins ist für eine zweite Amtszeit als Präsident wiedergewählt worden. 65 Prozent sprachen sich überdies für die Streichung des Verbots der Gotteslästerung aus.

Der irische Präsident Michael D. Higgins ist für eine zweite Amtszeit wiedergewählt worden.
Der irische Präsident Michael D. Higgins ist für eine zweite Amtszeit wiedergewählt worden.
Der irische Präsident Michael D. Higgins ist für eine zweite Amtszeit wiedergewählt worden. – REUTERS

Der irische Präsident Michael D. Higgins ist für eine zweite Amtszeit wiedergewählt worden. Der 77-Jährige erhielt bei der Wahl am Freitag 56 Prozent der Stimmen und setzte sich somit gegen seine fünf Mitbewerber durch, wie die Wahlkommission mitteilte. Auf dem zweiten Platz landete der Unternehmer Peter Casey, der auf 23 Prozent kam.

Die Iren hätten sich für das Hoffnungmachen entschieden, nicht für das Ausnutzen von Furcht oder Spaltung, sagte Higgins unter großem Applaus in einer Rede am Samstag in Dublin. "Ich werde ein Präsident für das ganze Volk sein, für die, die mich gewählt haben und für die, die mich nicht gewählt haben." Regierungschef Leo Varadkar gratulierte per Twitter. "Ich freue mich sehr, dass Sie für die nächsten sieben Jahre unser Präsident sein werden", schrieb er. Higgins habe ein historisches Ergebnis erreicht.

65 Prozent gegen Blasphemieverbot

Die Iren stimmten außerdem mit großer Mehrheit für die Streichung des in der Verfassung verankerten Verbots der Gotteslästerung. Bei einem Referendum, das parallel zur Präsidentschaftswahl abgehalten wurde, sprachen sich 65 Prozent der Teilnehmer für die Aufhebung eines entsprechenden Verfassungsartikels aus.

Blasphemie konnte in Irland bisher mit einer Geldstrafe von bis zu 25.000 Euro geahndet werden. Der Verfassungsparagraf kam in der jüngeren Geschichte des Landes jedoch nie zur Anwendung und galt deshalb als überflüssig. Justizminister Charlie Flanagan äußerte sich zufrieden über das Ergebnis des Referendums. Das Blasphemieverbot habe keinen Platz in der irischen Verfassung. Irland sei zurecht stolz auf seine "moderne und liberale Gesellschaft".

Irland geht in jüngster Zeit auf Distanz zu seiner starken katholischen Tradition. Erst im Mai stimmten die irischen Wähler in einem Referendum mit großer Mehrheit für die Legalisierung von Abtreibungen. Seit drei Jahren sind gleichgeschlechtliche Ehen möglich. In Planung ist bereits ein nächstes Referendum zu einem anderen veralteten Artikel in der irischen Verfassung über die Rolle von Frauen im Haushalt. Wann dieses stattfinden soll, steht jedoch noch nicht fest.

(APA/AFP/dpa)

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