Mordplan gegen Sánchez

Ein Rechtsextremist wollte laut Behörden ein Attentat auf den Regierungschef verüben. Hintergrund ist der Streit um Francos Überreste.

Ministerpräsidenten Pedro Sánchez.
Ministerpräsidenten Pedro Sánchez.
Ministerpräsidenten Pedro Sánchez. – (c) APA/AFP/OSCAR DEL POZO (OSCAR DEL POZO)

Madrid. Er war ein Waffennarr, besaß mehrere Präzisionsgewehre, verkehrte in rechtsextremen Kreisen – und wollte mutmaßlich Spaniens sozialistischen Ministerpräsidenten, Pedro Sánchez, erschießen: Ein Hinweis aus der Bevölkerung hat offenbar verhindert, dass ein 63-jähriger Extremist ein Attentat auf den Regierungschef verüben konnte. Der Mann, der im privaten Sicherheitssektor beschäftigt war, wurde in der Nähe der Stadt Barcelona festgenommen.

Wie spanische Medien unter Berufung auf die Behörden berichten, wurde der Anschlagsplan bereits Mitte September aufgedeckt, aber auf Bitten der Regierung zunächst geheim gehalten. Polizei und Regierung bestätigten am Donnerstag die Verhaftung des Mannes. Der Vorfall wurde nun bekannt, nachdem der Untersuchungsrichter das Ermittlungsgeheimnis aufgehoben hatte.

Der Polizei zufolge wollte der Wachmann den 46-jährigen Sozialisten töten, weil dieser die Exhumierung von Spaniens früherem Rechtsdiktator Francisco Franco angeordnet hatte. Franco war 1975 in einem gigantischen Mausoleum vor den Toren der spanischen Hauptstadt, Madrid, beigesetzt worden. Die Gruft, die in einer in den Berg getrieben Basilika im sogenannten Tal der Gefallenen liegt, ist in den letzten Jahrzehnten zu einem Wallfahrtsort für Europas Rechtsradikale und zu einer Touristenattraktion geworden.

Bei dem verhafteten Rechtsextremisten, der von der Polizei als Einzeltäter bezeichnet wird, handelt es sich offenbar um einen eisernen Franco-Anhänger. In einer Online-Unterhaltung soll er sich damit gebrüstet haben, den „roten“ Regierungschef umbringen zu wollen. „Ich bin bereit, mich für Spanien zu opfern“, schrieb er. Einer der Kommunikationsteilnehmer machte die Polizei auf den Mann aufmerksam. In dessen Wohnung fanden die Beamten 16 Feuerwaffen, darunter eine Maschinenpistole, ein Sturmgewehr und vier Präzisionsgewehre. Der Mann hatte zwar einen Waffenschein, aber nicht für die beschlagnahmten Lang- und Kriegswaffen.

 

Umbettung verzögert sich

Sánchez will die sterblichen Überreste Francos an einen diskreten Ort in ein öffentlich nicht zugängliches Grab übersiedeln. Aus dem Mausoleum soll eine Gedenkstätte für die Opfer des Faschismus werden. Das Parlament hatte dem Plan im September zugestimmt. Doch die Umbettung verzögert sich, weil die Familie des Diktators und die einflussreiche Franco-Stiftung Widerspruch einlegten und Bedingungen stellen. Die Franco-Familie will einer Exhumierung nur zustimmen, wenn der Sarg Francos in Madrids Kathedrale mit militärischen Ehren beigesetzt wird. Das lehnt die Regierung ab.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.11.2018)

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