Prozess wegen geplanten islamistischen Anschlags in Karlsruhe

Mutmaßliches deutsches IS-Mitglied kurdischer Herkunft soll vorigen Dezember ein Attentat mit einem Fahrzeug auf den Eislaufplatz vor dem Karlsruher Schloss geplant haben.

Der Eislaufplatz vor dem Karlsruher Schloss soll im Vorjahr ein mögliches Terrorziel gewesen sein.
Der Eislaufplatz vor dem Karlsruher Schloss soll im Vorjahr ein mögliches Terrorziel gewesen sein.
Der Eislaufplatz vor dem Karlsruher Schloss soll im Vorjahr ein mögliches Terrorziel gewesen sein. – Karlsruhe Tourismus

Weil er einen Anschlag mit einem Fahrzeug in Karlsruhe (Baden-Württemberg) geplant haben soll, beginnt am Montag vor dem Oberlandesgericht Stuttgart der Prozess gegen einen 29-jährigen Terrorverdächtigen. Die deutsche Bundesanwaltschaft wirft Dasbar W., einem deutschen Bürger kurdischer Herkunft, unter anderem vor, 2017 ein Attentat auf eine Eislauffläche vor dem Karlsruher Schloss geplant zu haben.

W. wurde am 20. Dezember von einem Sonderkommando in Karlsruhe festgenommen. Laut Anklage soll er nach dem Vorbild des Anschlags am Berliner Breitscheidplatz geplant haben, mit einem Fahrzeug in die Stände rund um die Eisfläche auf dem Schlossplatz zu fahren.

Dazu kundschaftete er laut Bundesanwaltschaft ab August 2017 die Örtlichkeiten um das Schloss aus und bemühte sich spätestens ab Oktober, bei Paketdiensten einen Job als Fahrer zu bekommen, um so an ein größeres Fahrzeug zu gelangen. Dies gelang ihm allerdings nicht.

Reise nach Nahost, Ausbildung als Scharfschütze

Weitere Vorwürfe beziehen sich auf eine Reise des Mannes in den Nahen Osten. Ende Juli 2016 soll sich W. im Irak der Jihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) als Mitglied angeschlossen haben und an einem Scharfschützengewehr ausgebildet worden sein. In dieser Zeit soll er in der irakischen Stadt Erbil das Gebäude des Regierungschefs als mögliches Ziel ausgekundschaftet haben. Zurück in Deutschland soll er außerdem Propagandavideos produziert und anderen IS-Mitgliedern bei der verschleierten Kommunikation im Internet geholfen haben.

Zu seiner Radikalisierung könnte der Hildesheimer Prediger Ahmad Abdulaziz Abdullah A. alias Abu Walaa beigetragen haben, der mit mehreren Mittätern Männer für den IS rekrutiert haben soll und sich deswegen derzeit vor Gericht verantworten muss. W. soll an einem mehrtägigen Seminar des Imams teilgenommen haben.

Hauptbelastungszeuge ist ein türkischstämmiger V-Mann des Landeskriminalamts Baden-Württemberg, der sich mit W. anfreundete. Ungewöhnlich ist, dass W. zuvor seinerseits den V-Mann als Terrorverdächtigen angezeigt haben soll. Weitere Hinweise ergeben sich aus Überwachungsprotokollen der Polizei. Ein Urteil könnte im Jänner gefällt werden.

(AFP)

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