Schwieriges Gedenken an das Weltkriegsende

In Frankreich stehen die Zeichen auf Dialog und Zusammenarbeit. Trump will sich wohl nicht darauf einlassen.

Merkel und Macron
Merkel und Macron
Merkel und Macron – APA/AFP/ALAIN JOCARD

Paris. Delegationen aus 80 Ländern, mit mehr als 60 Staats- und Regierungschefs sowie 120 andere gekrönte und ungekrönte Ehrengäste werden am Sonntag in der französischen Hauptstadt zu Füßen des Triumphbogens zum Gedenken der Beendigung des Ersten Weltkriegs vor hundert Jahren erwartet: Feinde und Alliierte von damals, Freunde und Gegner von heute. Dem französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron ist es gelungen, den Jubiläumsanlass in einen internationalen Treffpunkt zu verwandeln. Der Anlass soll nicht bloß dem Rückblick auf die Vergangenheit dienen, sondern vor allem der internationalen Zusammenarbeit und dem Dialog.

Das ist auch das generelle Ziel eines erstmaligen „Pariser Friedensforums“, das zu einer jährlichen Institution zur Förderung von friedensstiftenden Initiativen und gewaltfreien multilateralen Lösungen für Konflikte werden soll. Doch der amerikanische Präsident hält wenig von multilateralen Organisationen und er ist nicht der Einzige, der in seiner Politik und Diplomatie mehr auf die nationale Priorität setzte. Donald Trump wird aller Voraussicht nach dieses Forum, das so ziemlich alle Organisationen, Stiftungen und anderen NGOs vereint, die ihm ein Horror sind, schneiden. Aber auch für den Gastgeber Macron ist dieser politische „Anti-Trump-Jahrmarkt“ ein diplomatischer Stolperstein.

Trump mit Macron
Trump mit Macron
Trump mit Macron – REUTERS

Trump traf schon am Samstag ein, um sich bilateral mit Macron über seine außenpolitischen Absichten und derzeitigen Meinungsverschiedenheiten zu unterhalten: Schon vor seiner Ankunft hat Trump Macrons Vorschlag einer europäischen Verteidigung als „sehr beleidigend“ bezeichnet. Die strittigen Themen zwischen den beiden beginnen sich zu häufen. Trump hat auch durchblicken lassen, dass ihm nichts an einem Treffen mit Wladimir Putin in Paris gelegen ist. Da er aber dem russischen Staatschef unter dem Triumphbogen begegnen wird, müssen sich die beiden wohl oder übel in einer versöhnlichen Geste vor den Kameras die Hand schütteln. Seitdem Trump einseitig und überraschend den Abrüstungsvertrag über Kurz- und Mittelstreckenraketen von Reagan und Gorbatschow aus dem Jahr 1987 aufgekündigt hat, herrscht zwischen Moskau und Washington eisiges Klima.

Historische Tour

Den Vortritt mit der Eröffnungsrede am Friedensforum überlässt Macron der deutschen Kanzlerin Angela Merkel. Auch sie ist schon am Vortag gekommen, um mit Macron zum Gedenken auf einstige Kriegsschauplätze zu fahren. Diese Bilder kann der französische Präsident gebrauchen. Er weiß, wie populär die Helden von 1914–18 sind, aber auch, wie sehr er seit seiner Wahl viele Anhänger enttäuscht hat. So begab er sich auf eine einwöchige Reise durch historische Kriegsschauplätze in Frankreich. Sie führte ihn vom Elsass, durch Lothringen nach Verdun, und über mehrere Schlachtfelder an der französisch-belgischen Grenze bis nach Compiègne, wo hundert Jahre zuvor in einem Eisenbahnwaggon der Waffenstillstand unterzeichnet worden war. Das Treffen unter dem Triumphbogen ist die Zielgerade seiner kriegshistorischen Tour de France.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.11.2018)

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