Trump vertraut Erdogan, den IS "auszurotten"

Der türkische Präsident habe Trump in einem Telefonat zugesichert, die Jihadistenmiliz zu besiegen. Der US-Präsident hält den türkischen Staatschef für einen "Mann, der das kann".

Archivbild aus dem Jahr 2017: Der türkische Präsident Erdogan (li.) soll sich um den IS kümmern, meint US-Präsident Donald Trump.
Archivbild aus dem Jahr 2017: Der türkische Präsident Erdogan (li.) soll sich um den IS kümmern, meint US-Präsident Donald Trump.
Archivbild aus dem Jahr 2017: Der türkische Präsident Erdogan (li.) soll sich um den IS kümmern, meint US-Präsident Donald Trump. – APA/AFP/OLIVIER DOULIERY

Der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan hat nach Angaben von US-Präsident Donald Trump zugesichert, die Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien vollständig zu besiegen. Erdogan habe ihn darüber informiert, dass er "ausrotten wird, was auch immer von ISIS in Syrien übriggeblieben ist ", schrieb Trump in der Nacht auf Montag im Kurzbotschaftendienst Twitter.

Erdogan sei "ein Mann, der das kann"; außerdem grenze die Türkei an Syrien. "Unsere Soldaten kehren zurück nach Hause!", bekräftigte Trump.

Die beiden Präsidenten hatten sich zuvor in einem Telefonat über die Pläne für einen vollständigen US-Truppenabzug aus Syrien ausgetauscht. Trump hält den auch als ISIS bezeichneten IS für "weitgehend besiegt" und will die rund 2000 US-Soldaten aus Syrien abziehen.

Die überraschende Ankündigung des US-Truppenabzugs am vergangenen Mittwoch ist nicht nur bei Verbündeten der USA im Kampf gegen den IS auf Unverständnis gestoßen. Auch in den USA halten viele den Rückzug für verfrüht. Nur einen Tag nach Trumps Bekanntgabe kündigte US-Verteidigungsminister Jim Mattis seinen Rücktritt an. Auch der US-Sondergesandte für den Kampf gegen den IS, Brett McGurk, gibt seinen Posten vorzeitig auf.

Truppenabzug unter Dach und Fach

Unter Berufung auf Quellen im Pentagon berichtete der Sender CNN am Sonntagabend, der Befehl zum Truppenabzug aus Syrien sei inzwischen offiziell unterzeichnet worden. Unterschrieben habe das Dokument der scheidende Minister Mattis persönlich, hieß es unter Berufung auf die namentlich nicht genannten Quellen. Details zum Ablauf des Abzugs der über 2000 Soldaten, wie etwa ein Zeitplan, wurden nicht genannt.

"Unsere Truppen kommen nach Hause!", twitterte Trump. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan habe ihm versichert, schrieb Trump, dass er "alles, was vom IS noch übrig ist, auslöschen wird... und er ist ein Mann, der das tun kann, zudem ist die Türkei direkt "nebenan"".

Mattis hatte eigentlich erst Ende Februar abtreten wollen, um den Übergang geordnet zu regeln. Er hatte seinen Rückzug kurz nach Trumps umstrittener Entscheidung für dem Truppenabzug aus Syrien angekündigt. Aus Protest gegen den Syrien-Entschluss erklärte auch der US-Sonderbeauftragte für die Anti-IS-Koalition, Brett McGurk, seinen vorzeitigen Rücktritt.

Trump hatte vergangene Woche angekündigt, alle 2000 US-Soldaten aus Syrien abzuziehen - mit der Begründung, die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) sei dort besiegt. Der Entschluss stieß national wie international auf großes Unverständnis. Am Sonntag kritisierte auch Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron den Schritt und mahnte: "Ein Verbündeter ist es sich schuldig, verlässlich zu sein."

Trump soll die Entscheidung gegen den Rat wichtiger Kabinettsmitglieder gefasst haben, auch gegen den Rat von Mattis. Experten mahnen, der IS sei keineswegs besiegt und ein Abzug habe fatale Folgen. Auch in Trumps eigener Partei löste der Entschluss Empörung und Besorgnis aus.

Mattis geht schon früher

Kurz nach der Entscheidung hatte Mattis erklärt, er werde Ende Februar seinen Posten räumen. In einem veröffentlichten Schreiben an Trump begründete er dies mit inhaltlichen Meinungsverschiedenheiten - unter anderem wegen Trumps Kurs gegenüber Verbündeten. Internationale Partner müssten mit Respekt behandelt werden, mahnte er.

US-Medien berichteten, Trump habe sich sehr über diese öffentliche Protestbekundung geärgert. Am Samstag äußerte sich Trump erstmals öffentlich zu Mattis' Rückzug und reagierte für seine Verhältnisse vergleichsweise zurückhaltend auf Mattis' Frontalangriff. Ex-Präsident Barack Obama habe Mattis damals gefeuert, schrieb Trump. "Ich habe ihm eine zweite Chance gegeben." Er sprach mit Blick auf Mattis von einer "interessanten Beziehung" und widersprach dessen Kritik. "Verbündete sind sehr wichtig, aber nicht, wenn sie die USA ausnutzen", schrieb Trump.

Mit der vorzeitigen Ablösung von Mattis setzte Trump aber doch ein deutliches Zeichen gegen seinen Minister. Dessen Nachfolger Shanahan war früher Manager bei dem Luftfahrtkonzern Boeing und wurde 2017 Vize-Verteidigungsminister.

"Nichtiges Ereignis"

Trump äußerte sich auch verächtlich über den Rücktritt von McGurk. Dieser war noch von Obama eingesetzt worden. Trump kommentierte, McGurk hätte ohnehin nur bis Februar auf seinem Posten bleiben sollen und habe nun kurz vorher seinen Rückzug erklärt. Die "Fake-News"-Medien machten eine große Sache aus diesem "nichtigen Ereignis". Er kenne McGurk nicht einmal. Führende Akteure der damaligen Obama-Regierung werteten es als Armutszeugnis, dass Trump seinen bedeutenden Sondergesandten nicht kenne.

Der Präsident beklagte sich auch bitterlich über die Kritik an seiner Syrien-Entscheidung. Andere wären für einen solchen Beschluss als Helden gefeiert worden, er dagegen werde von den Medien schwer dafür gerügt, schrieb er.

Zugleich änderte Trump nach der Kritikwelle seine Wortwahl mit Blick auf den IS und schrieb nun, der IS sei "weitgehend" besiegt. Andere Länder in der Region, darunter die Türkei, könnten nun problemlos mit dem fertig werden, was noch von der Terrororganisation übrig sei. Zuvor hatte Trump mehrfach erklärt, der IS sei in Syrien komplett besiegt.

Der Präsident mühte sich, den Eindruck zu zerstreuen, der Entschluss komme überstürzt, unüberlegt und unvorbereitet. Am Sonntag schrieb er bei Twitter, er habe soeben mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan über den "langsamen und hoch koordinierten" Abzug von US-Soldaten aus Syrien gesprochen.

(APA/AFP/dpa)

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