Autobahn-Tempolimit: Deutschland bleibt Raserparadies

Es gebe auch noch "intelligentere Steuerungsmöglichkeiten", als flächendeckende Limits von 130 Kilometern pro Stunde, erklärt der Regierungssprecher. Die Deutschen sind in der Frage gespalten.

Auf vielen Strecken in Deutschland gibt es ohnehin Beschränkungen, teilweise wird situationsflexibel limitiert.
Auf vielen Strecken in Deutschland gibt es ohnehin Beschränkungen, teilweise wird situationsflexibel limitiert.
Auf vielen Strecken in Deutschland gibt es ohnehin Beschränkungen, teilweise wird situationsflexibel limitiert. – (c) imago

Für so manch einen österreichischen Führerscheinbesitzer ist es der Höhepunkt einer längeren Fahrt, wenn man in Deutschland ein Stück Autobahn ohne Geschwindigkeitsbegrenzung durchfährt. Kennt man aus der Heimat nicht. Doch diese Freiheit der Tempo-Wahl war zuletzt in Diskussion geraten. Denn sowohl Umwelt als auch Sicherheit werden bei höherem Tempo in Mitleidenschaft gezogen. Eine Diskussion, die die deutsche Bundesregierung nun beenden möchte.  Man plane kein allgemeines Tempolimit auf Autobahnen, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin. Dies stehe auch nicht im Koalitionsvertrag. Es gebe bereits jetzt in einem großen Teil des Straßennetzes Geschwindigkeitsregelungen, die an die Verkehrs- und Umfeldsituation angepasst seien.

"Es gibt auch noch intelligentere Steuerungsmöglichkeiten als ein allgemeines Tempolimit", sagte Seibert. Die Regierung warte nun auf die Ergebnisse einer Experten-Arbeitsgruppe zu mehr Klimaschutz im Verkehr. Dann werde die Bundesregierung an Maßnahmen arbeiten, um die Treibhausgas-Emissionen im Verkehr zu senken.

Zuletzt waren Überlegungen der Arbeitsgruppe bekannt geworden, zu denen ein Tempolimit von 130 Kilometern pro Stunde auf Autobahnen zählte. Dies hatte eine breite Debatte ausgelöst. Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hatte sich strikt gegen ein Tempolimit ausgesprochen. Empfehlungen der Kommission gibt es noch nicht, sie sollen Ende März vorliegen.

Umweltministerin will abwarten

Für Wirbel sorgte ein Interview von Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) in der ZDF-Sendung "Berlin direkt" am Sonntag. Schulze muss sich danach dem Vorwurf stellen, sie vertrete keine klare Haltung in dieser Frage. Sie hatte am Sonntagabend mehrmals auf eine Arbeitsgruppe zum Klimaschutz im Verkehr und auf Verkehrsminister Scheuer verwiesen, ohne zu beantworten, wie sie selbst dazu steht. Dafür erntete sie Spott und Kritik vor allem im Netzwerk Twitter.

Umwelt-Staatssekretär Jochen Flasbarth verteidigte die Ministerin: "Es war absolut richtig, dass Svenja Schulze die Frage nach dem Tempolimit offen gelassen hat. Klimaschutz im Verkehr ist weitaus komplexer", schrieb er. Eine Absage an ein Tempolimit sei jetzt "genauso falsch wie Zustimmung". Die SPD hat 2007 auf einem Parteitag mit knapper Mehrheit beschlossen, sich für ein Tempolimit von 130 Kilometern pro Stunde einzusetzen.

Deutschland in der Frage gespalten

Scheuer hatte auf die Sicherheit deutscher Autofahrer im globalen Vergleich verwiesen. "Deutsche Autobahnen sind die sichersten Straßen weltweit", hatte der CSU-Politiker der "Bild am Sonntag" gesagt. Er sagte zudem, das System der Richtgeschwindigkeit funktioniere und habe sich bewährt.

In einer Umfrage hatte sich die Hälfte der Deutschen (51 Prozent) für die Einführung eines Tempolimits von 130 Kilometern pro Stunde auf deutschen Autobahnen ausgesprochen - 47 Prozent der Bürger sind gegen eine Geschwindigkeitsbegrenzung. Damit habe sich die Stimmung im Vergleich zum November 2007, als das Thema in der Öffentlichkeit ebenfalls diskutiert worden sei, nicht geändert, hieß es jüngst im aktuellen Deutschlandtrend im ARD-Morgenmagazin.

Wann sich die Arbeitsgruppe für mehr Klimaschutz im Verkehr das nächste Mal trifft, ist unklar. Nachdem die Überlegungen etwa zum Tempolimit öffentlich wurden, hatte das Verkehrsministerium eine geplante Sitzung verschoben.

Die klimaschädlichen Treibhausgas-Emissionen im Verkehrsbereich sind in den vergangenen Jahren nicht gesunken. Die Bundesregierung hatte für 2019 ein Klimaschutzgesetz angekündigt mit konkreten Vorgaben auch für den Verkehrsbereich.

(APA/dpa)

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